Antioxidative Vitamine zur Krankheitsprävention eine Sackgasse
Author(s) -
P Kleist
Publication year - 2009
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2009.06929
Subject(s) - medicine
Seit Ende der 1990er Jahre hat sich die Evidenzlage jedoch dramatisch verändert. Abgesehen davon, dass andere Kohortenstudien die positiven Resultate nicht bestätigen konnten, hat die weit überwiegende Mehrzahl der in den letzten zehn Jahren veröffentlichten randomisierten Studien bestenfalls neutrale Vitamineffekte ergeben. Eine 2007 publizierte Metaanalyse von 68 Studien mit über 230000 Studienteilnehmern bestätigte frühere Befunde, dass die Langzeiteinnahme der Vitamine A, E und Beta-Karotin zu einer Zunahme der Mortalität führt [3]. Und spätestens mit der 2008 veröffentlichten Physicians’ Health Study II [4] an fast 15000 amerikanischen Ärzten und mit einer durchschnittlichen Beobachtungszeit von acht Jahren ist auch klar, dass antioxidativen Vitaminen, einschliesslich Vitamin C, keinerlei Rolle zur primären und sekundären Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen zukommt. Das auffälligste Ergebnis war die Zunahme von Hirnblutungen unter Vitamin E. Nur in Bezug auf das Krebsrisiko blieb noch ein (kleines) Fragezeichen. Zwei in den 1990er Jahren publizierte Studien [5,6]hatten zwar eine Zunahme von Karzinomen unter Beta-Karotin und dem Spurenelement Selen gezeigt; aber mittels Subgruppenanalysen, die in beiden Studien auf ein geringeres Prostatakarzinomrisiko unter Vitamin E bzw. Selen hinwiesen, deutete man die Ergebnisse ins Gegenteil um. Diese Subgruppenergebnisse veranlassten das National Cancer Institute zur Durchführung der SELECT-Studie an über 35000 Männern. Im Herbst 2008 wurde diese Studie allerdings vorzeitig abgebrochen, da sich nach einer mittleren Beobachtungszeit von über fünf Jahren keine präventive Wirkung in Bezug auf Prostatakarzinome (und andere Karzinome) abzeichnete; im Gegenteil: unter Vitamin E nahmen Prostatakarzinome sogar tendenziell zu, und unter Selen bestand ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Diabetes mellitus [7]. Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass Raucher vermehrt an Lungenkarzinom erkrankten und eine höhere Gesamtsterblichkeit aufwiesen, wenn sie über einen längeren Zeitraum Beta-Karotin zu sich genommen hatten [5, 8]. Dass der Grundansatz der Antioxidantienhypothese falsch ist, hat eine Vielzahl von klinischen Studien und Meta-Analysen inzwischen eindrücklich untermauert. Sicher kann man sich immer noch fragen, ob beispielsweise die eingesetzten Vitamindosierungen, die untersuchten Vitamin E-Verbindungen oder die Interventionszeit immer richtig gewählt wurden. Meines Erachtens ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, diese Diskussionen zu beenden. Basierend auf der unzweideutigen Datenlage gibt I R RUNGEN UND W IRRUNGEN
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