Wider einer Biologisierung kinderpsychiatrischer Phänomene
Author(s) -
J Schmid
Publication year - 2009
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2009.06719
Subject(s) - art
Anhand kinderpsychiatrischer Diagnosestellungen lässt sich eine zunehmende Biologisierung der Psychiatrie erkennen, die auf Kosten ihrer Humanisierung geht. Wie das Beispiel des ADHS zeigt, werden «Verhaltensabweichungen» nur noch vor dem Hintergrund sogenannt hirnorganischer Störungen betrachtet: ADHS sollte das Resultat einer genetisch bedingten Stoffwechselstörung sein. Psychisches und dessen Verhaltensfolgen werden in diesem reduktionistischen Verständnis nicht mehr als mögliche Folge innerpsychischer und zwischenmenschlicher Abläufe verstanden, die in einem lebensgeschichtlichen sowie gesellschaftlichen Zusammenhang stehen können, sondern psychische Auffälligkeiten werden auf rein biologische Ursachen zurückgeführt, was einer Pathologisierung der kindlichen Entwicklung (z.B. des «oppositionellen» Trotzverhaltens) gleichkommt. Diese Blickwinkelverengung, die sich in der Praxis nicht mehr auf das Verstehen, sondern nur auf das Erkennen von Symptomen beschränkt, verengt den therapeutischen Spielraum auf dessen medikamentöse Behandlung: Dem Methylphenidat wird eine prioritäre Bedeutung beigemessen.
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