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Bereiten uns Stammzellen Magengeschwüre?
Author(s) -
RJ Müller,
U Schanz,
JD Seebach
Publication year - 2007
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2007.06293
Subject(s) - geography
scher Entzündung und der Entstehung von Krebs sind schon länger bekannt; dass dabei aber auch Stammzellen aus dem Knochenmark eine Rolle spielen könnten, ist alarmierend. Trotz des peinlichen Fälscherskandals um den südkoreanischen Professor Hwang geht der «Stammzell-Hype» momentan ungebremst weiter. Die Therapiemög lichkeiten, um mit Stammzellen beschädigte Zellen und Gewebe funktionell zu ersetzen, erschei nen theoretisch unbegrenzt. Die Arbeiten von Jean-Marie Houghton u.a. geben aber Anlass zu einem kritischen Gedankenanstoss und liefern ein warnendes Gegenargument [1, 2]. Was macht Stammzellen eigentlich so faszinierend? Es ist ihre Eigenschaft zur kontinuierlichen Selbsterneuerung, ähnlich wie Krebszellen! Helicobacter-Infektionen erzeugen eine persistie rende Gastritis, welche die Produktion wachstumsfördernder und DNA-schädigender Substan zen stimuliert, was wiederum zu Mutationen der Gewebezellen und zu Magenkrebs führt. Die Beschreibung dieses Zusammenhangs zwischen chronischer Entzündung und maligner Gewebetransformation geht bis ins Jahr 1863 zurück als Virchow die Hypothese äusserte, «lymphoretikuläre Infiltrate» veranlassten die Tumorbildung an Orten chronischer Entzündungen [3]. JeanMarie Houghton u.a. haben nun aber in einem Mausmodell entdeckt, dass Magenkrebs nicht aus maligne entarteten Magengewebszellen entsteht, sondern aus Knochenmarkstammzellen. Dies ist erstaunlich, da man bislang eher davon ausging, dass adulte Stammzellen aus dem Knochenmark beschädigtes Gewebe regenerieren. Die chronische Entzündung im Magen führt zur Einwanderung von Stammzellen aus dem Knochenmark, welche apoptotische Epithelzellen ersetzen, sich aber in diesem «Milieu» offenbar zu Krebszellen entwickeln können [4] (Abb. 1 x). Da Knochenmarkstammzellen die Fähigkeit zur Fusion mit anderen Zellen aufweisen, kann eine sogenannte Transdifferenzierung in periphere Gewebszellen vorgetäuscht werden [5]. Es blieb also die Frage, ob die beobachteten Krebsstammzellen durch eine Fusion von Knochenmarkstammzellen mit malignen Magenzellen entstanden waren. Die Autoren fanden keine Hinweise dafür, die Zellen wiesen nur einen Zellkern mit einer normalen DNA-Menge und einem normalen Chromosomensatz auf. Trotzdem bleibt dies ein wesentlicher Kritikpunkt der Studie [6]. In einem weiteren Mausmodell wurde vor kurzem nämlich die Fusion von Knochenmarkzellen sowohl mit gesunden wie auch mit neoplastischen intestinalen epithelialen Progenitorund Stammzellen beschrieben [7]. Diese Fusion führte aber nicht zum Tumorwachstum, sondern spielte eine wichtige Rolle bei der Regeneration des beschädigten Gewebes. Auch klinische Studien über den Ursprung epithelialer Neoplasien (Brustkrebs, Nierenzellkarzinom) sowie die Tumorangiogenese nach hämatopoietischen Stammzelltransplantationen ergaben widersprüchliche Ergebnisse bezüglich einer Beteiligung von Spenderknochen markzellen [8–10]. Die Datenlage bezüglich Krebsentstehung aus Knochenmarkstammzellen ist also noch sehr unklar. Die Theorie, dass zirkulierende Knochen markstammzellen wie gewebsspezifische Stammzellen maligne transformieren können, ist jedoch plausibel. Erstens besitzen sie aktive Wachstums programme für die kontinuierliche Selbsterneuerung. Zweitens sind sie langlebig und dadurch viel anfälliger für genetische Defekte. Eine Erklä rung für die Tumorentstehung aus Stammzellen könnte sein, dass sie am Ort einer chronischen Entzündung gezwungen sind, sich mehrmals in einer mutationsfördernden Umgebung zu teilen. Diese Krebsstammzellen sind vermehrt chemoBIOMED.COM Forum Med Suisse 2007;7:783–784 783

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