z-logo
open-access-imgOpen Access
Wenn eine tiefe Sauerstoffsättigung Hektik auslöst und doch kein Notfall ist
Author(s) -
S Gujer,
P Schott,
B Schwizer,
A Rüfer
Publication year - 2007
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2007.06181
Subject(s) - physics
Eine 45jährige Patientin meldete sich auf dem medizinischen Notfall wegen Bauchschmerzen. Die Anamnese war ansonsten unauffällig, die Patientin bisher gesund und voll leistungsfähig. In der körperlichen Untersuchung war sie kardiopulmonal kompensiert, das Abdomen diffus druckdolent und ohne palpable Resistenzen. Die weitere Untersuchung zeigte Normalbefunde für Körpertemperatur, Pulsfrequenz, Blutdruck und Atemfrequenz. Um so überraschender war der Befund der transkutanen Sauerstoffsättigung von 70%, die an verschiedenen Fingern in gleichem Ausmass gemessen wurde. Die Patientin war in der Peripherie warm, die Radialispulse waren gut tastbar, und klinisch fand sich kein Hinweis für eine Minderperfusion der Akren. Auch bei erneuter Inspektion der Schleimhäute fiel keine Zyanose auf. Als Sofortmassnahme erhielt die Patientin nasal Sauerstoff, wobei die Sättigung unter 2 L O2 auf 87% anstieg, ohne dass es subjektiv dadurch zu einer Zustandsänderung kam. Erste differentialdiagnostische Überlegungen der deutlichen Diskrepanz zwischen Symptomen, klinischen Befunden und der transkutanen Sauerstoffsättigung wurden angestellt. Es wurde zunächst ein schwerer Ventilations-PerfusionsMismatch postuliert, der aufgrund der aktuell fehlenden Symptome eher eine chronische Ursache hätte haben müssen. Auch ein Rechts-LinksShunt wurde in Erwägung gezogen. Dagegen sprach der gute Anstieg der Sauerstoffsättigung nach Zufuhr nasalen Sauerstoffs. Eine schwere Diffusionsstörung wurde ebenfalls als weitere Möglichkeit in Betracht gezogen. Allerdings wären dann typischerweise Dyspnoe bei Belastung und eine Normalisierung der Sättigung unter Sauerstoff erwartet worden. Noch überraschender, aber bezüglich der Diskrepanz zwischen Symptomen und Befunden klärend war dann das Resultat der arteriellen Blutgasanalyse, die zuerst unter Sauerstoff und schliesslich auch ohne durchgeführt wurde (Tabelle 1 p). Hier zeigte sich bei einem normalen Sauerstoffpartialdruck praktisch keine Erhöhung der alveoloarteriellen Gradienten, aber wie schon in der transkutanen Messung eine tiefe Sauerstoffsättigung des Hämoglobins. Diese Konstellation ist klassisch für eine Verschiebung der Sauerstoff-Dissoziationskurve des Hämoglobins nach rechts, die höhere Partialdruckwerte notwendig macht, um eine vergleichbare Oxygenierung des Hämoglobins zu erreichen [1]. Das Ausmass dieser Verschiebung wird durch den P50-Wert, entsprechend dem Partialdruck des Sauerstoffs bei einer Sättigung des Hämoglobins von 50%, ausgedrückt. Der P50-Wert der Patientin war deutlich erhöht und betrug 7,63 kPa (Norm: 3,2–3,8 kPa). Die meisten Blutgasanalysatoren errechnen beziehungsweise schätzen den P50-Wert, wobei gerätespezifische Angaben D E R B E S O N D E R E FA L L Schweiz Med Forum 2007;7:397–399 397

The content you want is available to Zendy users.

Already have an account? Click here to sign in.
Having issues? You can contact us here
Accelerating Research

Address

John Eccles House
Robert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom