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Hypochonder oder Verdränger?
Author(s) -
B Gurtner
Publication year - 2006
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2006.06050
Subject(s) - philosophy
«Mein Körper begann die Differenz zu meinen poetisch unterschlagenen Bedürfnissen in Form dunkler, sogenannter psychosomatischer oder funktioneller Störungen anzumelden. Mit dem Verdacht eines Tumors im Kopf verdarb ich mir meinen ersten längeren Auslandaufenthalt in England, hielt eine Reihe von Ärzten in Atem und dispensierte mich von der ersten langjährigen, kunstvollen und nie recht glücklichen Jugendliebe, die mich verließ. In verschlüsselter Sprache meldete ich an, was mir fehlte, und verschob die Diagnose des Defizits auf die Ebene der Medizin. Was ich mir dort antat, schien immerhin real genug. Ich litt Todesängste und Qualen – die neurologische Abklärung war eine Tortur nach allen Regeln der Kunst. Ich erlitt sie mit grausamer Bereitschaft, ich ließ die hohe Medizin einspringen für mein Unvermögen, einfache Gefühle zu äußern. Sie war das Instrument meines Freispruchs – eines Freispruchs auf Zeit, denn meine ‹Krankheit› – will sagen: mein unterschlagener Lebensanspruch – blieb erfinderisch und besorgte mir neue schlimme Symptome. [...] Ich wußte mir nur dies: mich verletzen zu lassen, um zu mir zu kommen. Nach diesen chirurgischen Anschlägen war mir das Leben jeweils wieder geschenkt; es war zum Glück ‹nichts Ernstes› gewesen.» (Muschg A. Literatur als Therapie? Ein Exkurs über das Heilsame und das Unheilbare. Frankfurter Vorlesungen. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag; 1981)

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