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Die verwirrte Frau auf dem Baum oder: Transiente globale Amnesie
Author(s) -
H Sarikaya,
B Tettenborn
Publication year - 2006
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2006.06033
Subject(s) - art
Eine 62jährige Frau wurde uns von ihrem Hausarzt wegen eines akuten Verwirrtheitszustandes notfallmässig zugewiesen. Die Symptomatik war ungefähr zwei Stunden vor der Zuweisung während der Gartenarbeit plötzlich aufgetreten, als die Patientin auf einem Baum die Äste abholzte. Schlagartig wurde sie verwirrt bzw. desorientiert und stellte immer wieder die gleichen Fragen: «Wo bin ich? Was mache ich hier oben?» In der Vorgeschichte waren keine Traumata, Fieberepisoden oder Kopfschmerzen zu eruieren, auch wurde eine vorausgegangene Medikamenteneinnahme verneint. Bei der Patientin handelte sich um eine bis anhin stets gesunde Hausfrau mit einer aktuellen Erstepisode und blander Familienanamnese. Die persönliche Anamnese war ebenfalls unauffällig; es bestanden weder vaskuläre Risikofaktoren noch Migräne oder Epilepsie. Klinisch präsentierte sich die Frau in gutem Allgemeinund Ernährungszustand mit einem Blutdruck von 150/80 mm Hg, einem rhythmischen Puls von 80/min und einer aurikulären Temperatur von 36,6 °C. Der kardiopulmonale Auskultationsbefund war unauffällig, das Abdomen weich und druckindolent ohne palpatorische Organomegalie; die neurologische Untersuchung ergab einen unauffälligen Hirnnervenstatus sowie eine normale Sensomotorik an den Extremitäten mit regelrechtem Gangbild. Neuropsychologisch war die Patientin jedoch bei autopsychisch intakter Orientierung zeitlich und situativ desorientiert, erschien ratlos und beunruhigt. Sie fragte alle zwei bis drei Minuten stereotyp nach den situativen Umständen, obwohl ihr besorgter Ehemann jedes Mal die Patientin über den Vorfall aufklärte und im Verlauf in Verzweiflung geriet, da seine Frau die Informationen wieder vergass und zu wiederholten Malen nach der Uhrzeit und dem, was geschehen war, fragte. Auch konnte sie nicht nachvollziehen, dass sie sich die Schürfungen an den Armen beim Abholzen auf dem Baum zugezogen hatte. Die Routineabklärungen zeigten eine normale Laborchemie mit Normoglykämie ohne Entzündungszeichen und Elektrolytverschiebungen sowie ein unauffälliges EKG mit normokardem Sinusrhythmus. Das EEG im Akutstadium war unauffällig mit normaler Grundaktivität ohne Herdbefund und ohne epilepsietypische Potentiale, die extrakranielle Karotis-Doppler-/DuplexSonographie ergab unauffällige Befunde. Die kraniozerebrale Bildgebung mittels Computertomographie gestaltete sich ebenfalls normal, insbesondere war keine Ischämie oder Blutung nachzuweisen. Im weiteren Verlauf bildeten sich die Symptome innert 24 Stunden vollständig zurück, eine Erinnerungslücke für die amnestische Episode blieb jedoch auch noch zum Zeitpunkt der Entlassung bestehen. Aufgrund der typischen Klinik konnten wir die Diagnose einer transienten globalen Amnesie (TGA) stellen, auf die wir im folgenden näher eingehen.

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