Welche Glomerulopathien sind nun echte Autoimmun- und welche Immunglobulinspeicherkrankheiten ?
Author(s) -
B Biedermann
Publication year - 2003
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2003.04943
Subject(s) - art
Die Nieren besitzen die erstaunliche Eigenschaft, pro Tag über 150 Liter Blutplasma zu filtrieren, ohne die darin kumulativ enthaltenen 10 Kilogramm Protein zu verlieren. Diese ausserordentliche Sortierleistung wird zwischen dem gefensterten, glomerulären Endothel, der glomerulären Basalmembran und den Podozyten vollbracht. CD2-assoziiertes Protein (CD2-AP) scheint ein essentieller Bestandteil dieses proteinkonservierenden Filtrationsapparates zu sein. Dies hat man von den CD2-APKnockout-Mäusen gelernt, die an einer massiven Proteinurie leiden und kurz nach der Geburt versterben. Jene Mäuse, denen nur eines der beiden CD2-AP-Gene fehlt (sogenannt haploinsuffiziente CD2-AP+/– -Mäuse), hatten keine Proteinurie. Während der einjährigen Beobachtungszeit entwickelten diese Tiere jedoch unterschiedliche Arten von Glomerulopathien: mesangiale Proteindepots und Zellvermehrungen, fokal segmentale Glomerulosklerose (FSGS), Immunglobulin-Ablagerungen in der Basalmembran und im Mesangium sowie Leukozyteninfiltrate. Die Injektion von kationisiertem Ferritin zeigte deutlich auf, dass filtriertes Protein relativ rasch bis in die Podozyten gelangte; der Endozytoseweg scheint also nicht von CD2-AP abzuhängen. Hingegen stieg die Zahl der fusionierten, multivesikulären Körperchen bei den haploinsuffizienten Mäusen überhaupt nicht an, was auf einen Defekt im intrazellulären Proteinleitsystem (trafficking) hinweist (Abb. 1). Die CD2-AP+/– -Mäuse reagierten zudem sehr empfindlich auf einen nephrotoxischen Antikörper: Sie entwickelten eine protrahierte Proteinurie im Rahmen einer schweren, glomerulären Schädigung, und einige Tiere verstarben an der sich entwickelnden Niereninsuffizienz. Soweit so gut – doch ist das überhaupt für die menschlichen Glomerulopathien relevant? Ja! Die Forscher postulierten folgerichtig, dass CD2-AP bei Patienten mit FSGS defekt sein könnte. Und sie fanden tatsächlich bei 10 von 45 Patienten mit FSGS, jedoch bei keinem der Kontrollpatienten, eine Mutation im CD2-AP. Also ist die Erkrankung an einer immunkomplexvermittelten Glomerulopathie nicht nur direkte Folge der Immunkomplexdeposition und Komplementaktivierung, sondern auch beeinflusst von der Geschwindigkeit der Proteinendozytose und -degradation. Ein Gedanke, der vielleicht zukünftig nicht nur die Klassifikation, sondern auch die Therapie dieser Krankheitsgruppe beeinflussen wird.
Accelerating Research
Robert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom
Address
John Eccles HouseRobert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom