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Passagere Tetraparese nach Bienenstich
Author(s) -
R Dübendorfer,
B Bergamin,
M Stäubli
Publication year - 2003
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2003.04820
Subject(s) - chemistry
Der 40jährige, bisher gesunde Direktor einer Industriehandelsfirma wurde an einem Abend im Juli 2001 um 20.30 Uhr von einer Biene hinter das rechte Ohr gestochen (er hatte bereits in der Jugend mehrere Bienenstiche erlitten, aber nie allergisch reagiert). Zirka 10 Minuten später trat ein stechender Thoraxund Oberbauchschmerz mit einer Intensität von 5–6 auf einer Skala von 1–10 auf, er fühlte sich unwohl und musste erbrechen. Er bemerkte, wie er langsam die Beherrschung über seinen Körper verlor, und legte sich selber in die Schocklage. Nacheinander verlor er die Fähigkeit, zu sprechen, seine Hände und Arme zu bewegen, und schliesslich die Kontrolle über die Beine. Die Wahrnehmung blieb intakt. Der Notfallarzt, der ca. um 21 Uhr bei einem blassen, kardiopulmonal stabilen, aber nicht zu Reaktionen fähigen Patienten eintraf, spritzte 100 mg Ultracorten® i.v. und 1 mg Adrenalin s.c. Daraufhin kehrte die Motorik im rechten Arm für einen kurzen Moment zurück. Es folgte die Einweisung auf unsere Notfallstation. Der afebrile 40jährige Patient in reduziertem Allgemeinzustand und normalem Ernährungszustand (BMI 22,8) war in der Lage, auf Fragen mit Kopfbewegungen zu antworten. Es zeigte sich eine deutliche Tetraparese mit intakter Sensibilität und symmetrisch abgeschwächten Reflexen, mit Ausnahme des Patellarsehnenreflexes, welcher links schwächer als rechts auslösbar war. Kardiovaskulär war der Patient stabil mit einem Blutdruck von 132/62 mm Hg und einem Puls von 88/min. Auskultatorisch war ein gespaltener 1. Herzton sowie ein 3/6-Systolikum mit Punctum maximum über Erb nachweisbar. Pulmonal fanden sich keine abnormen Befunde, hinter dem rechten Ohr war eine Rötung von ca. 2 3 cm sichtbar. Im EKG zeigte sich ein normokarder Sinusrhythmus, ein Steillagetyp, ein vollständiger Rechtsschenkelblock sowie T-Negativierungen in V1–V3. Es bestand ein unauffälliges rotes Blutbild, eine normale Thrombozytenzahl von 274 109/l, eine Leukozytose von 12,3 109/l, ein Quickwert von >100% (INR <1,00), eine diskrete Hyponatriämie von 133 mmol/l und eine Hypokaliämie von 2,7 mmol/l. Die CK war mit 227 U/l erhöht. Die Transaminasen, der KreatininWert, das CRP, die Herzenzyme sowie der Troponin-Wert lagen im Normbereich. Die arterielle Blutgasanalyse ergab keine Hinweise für eine Hyperventilation. Die konventionell-radiologische Thoraxuntersuchung war unauffällig. Eindreiviertel Stunden nach dem Bienenstich kehrte das Sprachvermögen zurück; um 22.30 Uhr, zwei Stunden nach Ereignis, war der Patient wieder gehfähig. In der elektrokardiographischen Kontrolle um 23 Uhr hatte sich die T-Negativität in V3 normalisiert, um 0.30 Uhr ebenfalls in V2. Das Systolikum wurde deutlich leiser, und der Patient fühlte sich subjektiv gut. Er wurde während der Nacht intensivmedizinisch überwacht und war stabil. Am nächsten Morgen persistierte auskultatorisch ein gespaltener 1. Herzton, das Systolikum war nicht mehr vorhanden. Das EKG war bis auf den persistierenden Rechtsschenkelblock unauffällig. Die Leukozyten hatten sich in ihrer Zahl normalisiert, und laborchemisch waren sämtliche Werte im Normbereich. Der Patient konnte nach Abgabe eines AllergieNotfallsets mit Cetirizin, Prednison und einem Adrenalin-Auto-Injektor in gutem Allgemeinzustand entlassen werden. Die allergologischen Abklärungen vier Monate später in der allergologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich ergaben eine ausgeprägte Bienengift-Allergie. Die initial stationär begonnene Desensibilisierung im Juni 2002 verlief ohne anaphylaktische Zwischenfälle.

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