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Kann mit dem Durstversuch eine Polydipsie diagnostisch immer eindeutig zugeordnet werden?
Author(s) -
A Schläpfer,
R Jeker,
A Rohrer,
CR Canova
Publication year - 2003
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2003.04796
Subject(s) - gynecology , medicine
Die 55jährige Patientin wird vom Hausarzt zur ambulanten Abklärung eines gesteigerten Durstgefühls mit täglicher Flüssigkeitseinnahme von 5–6 Litern Wasser zugewiesen. Anamnestisch besteht seit einem halben Jahr ein Trockenheitsgefühl im Mund mit fast unstillbarem Durst, wobei sie auch nachts trinken und Wasser lösen muss. Seit der gleichen Zeit bestehen erhebliche psychische Belastungen (Trennung vom Ehemann, finanzielle Nöte). Die persönliche Anamnese ist bis auf eine Sectio caesarea 1983 und gelegentlichem Gefühl von trockenen Augen bland. Keine Medikamenteneinnahme. Unauffällige Familienanamnese. Im Status finden wir eine 55jährige, 167 cm grosse und 64 kg schwere Patientin in gutem Allgemeinzustand. Der allgemeininternistische Status zeigt keinerlei pathologischen Befund. Es besteht eine ausgeprägte Xerostomie und eine linksbetonte konjunktivale Gefässinjektion. In der Schirmer-Probe pathologisch verminderte Tränenproduktion mit 2–3 mm/5 min (Norm >15 mm/5 min) auf dem Lackmuspapier beidseitig. Labor: Hb 131 g/l, Hkt 40%, normale Indices, Lc 6,5 k/ml, Tc 417 k/ml, die Blutsenkung beträgt 48 mm/Stunde. Na 148 mmol/l, K 4,8 mmol/l, Ca total 2,20 mmol/l, Glu 6,0 mmol/l, Krea 63 mmol/l, CRP <10 mg/l, AP 50 U/l, gGT 22 U/l. Das TSH beträgt 1,6 mU/l, die Eiweisselektrophorese ist normal. Der Rheumafaktor und ANA sind im Normbereich; Die Parotis-Antikörper (SS-A/Ro-IgG und SS-B/La-IgG) sind negativ. Eine Nierenerkrankung wird mittels unauffälligem Urinstatus, normaler Sonographie und unauffälligem 24-Stunden-Sammelurin (auffällig einzig die Urinmenge von 6350 ml in 24 h) ausgeschlossen. Differentialdiagnostisch kommen bei vermehrtem Durst und Polyurie verschiedene Krankheitsursachen in Frage: Diabetes mellitus, psychogene Polydipsie, rezidivierendes Erbrechen, Durchfall, Fieber, starkes Schwitzen und diverse Medikamente (z.B. Diuretika, Lithium) sowie Elektrolytstörungen (Hyperkalzämie, Hypokaliämie) und ein Diabetes inspidus (DI). Durch Anamnese und einfache Blutuntersuchungen konnten bei unserer Patientin alle obengenannten Ursachen ausgeschlossen werden ausser der psychogenen Polydipsie und dem Diabetes insipidus renalis. Die psychogene Polydipsie ist häufig und beschreibt eine habituelle oder psychopathologisch bedingte, vermehrte Flüssigkeitsaufnahme und Urinausscheidung ohne pathophysiologische Störung des Wasserhaushalts. Die Polyurie ist die Folge der unphysiologisch vermehrten Flüssigkeitsaufnahme. Der Diabetes insipidus ist im Gegensatz zur psychogenen Polydipsie selten. Es handelt sich um einen Mangel (zentraler DI) oder fehlendes Ansprechen (renaler DI) auf das antidiuretische Hormon (ADH), welches im Hypothalamus produziert und im Hypophysenhinterlappen freigesetzt wird. Zur Differenzierung dieser drei Krankheitsbilder wurde ein Durstversuch [1] durchgeführt, wobei die Patientin während 10 Stunden auf der Überwachungsstation monitorisiert wurde: Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung, Ausschluss heimlichen Trinkens. In 2-StundenAbständen wurden Körpergewicht, Urinmenge und Urinosmolalität gemessen – ergänzt durch eine venöse Blutentnahme am Anfang und am Schluss der Versuchsphase (Serum-Natrium und Serumosmolalität). Nach 8 Stunden Injektion von 20 mg Desmopressin intravenös. Das Gewicht reduzierte sich um 3,1 kg (von 64,0 kg auf 60,9 kg) mit einer Urinmenge von 2560 ml. Das Verhalten der Urinosmolalität, der Urinmenge, des Serumnatriums und der Serumosmolalität ist in den Tabellen 1–4 graphisch aufgezeichnet. Die Patientin verspürte während des gesamten Tests einen zunehmenden, jedoch erträglichen Durst. Die Kreislaufparameter waren im Normbereich. Zusammenfassend zeigt sich ein auffallender Gewichtsverlust sowie eine eindrückliche Hämokonzentration (Serumnatrium und Serumosmolalität) ohne erkennbare Gegenregulation: Die Urinosmolalität bleibt auf tiefem Niveau stabil und liegt auch nach Verabreichung Kann mit dem Durstversuch eine Polydipsie diagnostisch immer eindeutig zugeordnet werden?

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