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Kein «Desmopressin-Mangel-Syndrom»
Author(s) -
P Haemmerle,
E Girardin
Publication year - 2003
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2003.04794
Subject(s) - desmopressin , medicine
Ich möchte Prof. Girardin für die klaren und handlungsleitenden Informationen im oben erwähnten Artikel bestens danken. Als Kinderpsychiater erlaube ich mir dennoch eine kritische Bemerkung. Ohne die Enuresis nocturna wieder, oder gar ausschliesslich, zum sogenannten «unteren Weinen» erklären zu wollen, wie dies früher bei psychodynamisch orientierten Kinderpsychiatern und Pädiatern durchaus üblich war, mutet es mich doch gar simplifizierend an, wenn die kindliche Psyche aus dieser Problematik fast vollständig ausgeklammert wird. Lediglich in einem Absatz spricht der Autor von den «zweifellos auch psychosozialen Folgen». Andere, durchaus moderne psychosomatische und entwicklungspsychopathologische Erkenntnisse, wonach gerade eine sekundäre Enuresis nocturna auch psychoreaktive Gründe haben kann, werden m.E. jedoch eklatant «verschwiegen». Hat sich denn das bio-psycho-soziale Gesundheitsund Krankheitsverständnis – das ich doch schon in meiner Pädiatriezeit vor rund 20 Jahren kennenund schätzengelernt habe (notabene von einem pädiatrischen Stoffwechselspezialisten vermittelt) – in der heutigen Pädiatrie oder Kindernephrologie nicht definitiv etabliert? So wie die Hyperaktivitätund Aufmerksamkeitsstörung kein «Ritalin-Mangelsyndrom» ist, ist m.E. auch die Enuresis nocturna eben kein «Desmopressin-Mangelsyndrom», sondern viel eher eine «bio-psychosoziale Reifungsstörung». Diese kann, wie der Autor richtig bemerkt, auf verschiedenen Wegen behandelt werden: eben z.B. mit «Ratschlägen» und der von ihm propagierten Desmopressin-Gabe, wogegen ich selbstverständlich nichts einzuwenden habe. Sie kann aber auch mit verhaltensmedizinischen bzw. verhaltenstherapeutischen Interventionen, mit körperorientierten Methoden, wie dem Autogenen Training (AT sowie mittels psychotherapeutischer – «spieltherapeutischer» – Behandlung angegangen werden, welche letztere übrigens nicht nur zur Blasen-, sondern auch zur Persönlichkeitsreifung beitragen kann. Meines Erachtens werden wir den Entwicklungsbedürfnissen von Kindern am ehesten gerecht, wenn wir deren verschiedene Entwicklungsdimensionen – eben die körperliche ebenso wie die psychische und soziale – möglichst gleichzeitig im Auge behalten. Enuresis

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