Mesalazin-assoziierte interstitielle Nephritis
Author(s) -
G Mancuso,
A Gaspert,
M Möddel,
G Keusch
Publication year - 2002
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2002.04559
Subject(s) - medicine
Eine 1975 geborene und bis zum Alter von 16 Jahren gesunde Frau erkrankte im September 1991 erstmals an wässrigen Durchfällen mit Blutbeimengungen. Die darauf durchgeführte Koloskopie zeigte eine unspezifische linksseitige Kolitis mit dem histologischen Befund einer ausgeprägten chronischen Entzündung und vereinzelten Granulomen. Es wurde eine Therapie mit Mesalazin (5-Aminosalicylsäure, Asacol®) 3 800 mg p.o. eingeleitet und bei gutem Ansprechen bis 1993 weitergeführt. Im Januar 1995 trat ein erstes Kolitis-Rezidiv auf. Eine erneut durchgeführte Koloskopie zeigte eine Pankolitis und im Caecum einen grossen gestielten Polypen ohne Malignitätszeichen. Die Patientin wurde zunächst mit Deflazacort (Calcort®) und Azathioprin (Imurek®) behandelt. Wegen einer Pankreatitis musste nach einem Monat das Azathioprin abgesetzt werden, und es wurde erneut eine Therapie mit Mesalazin 3 800 mg p.o. zusammen mit intermittierend Mesalazinund Prednisolon-Einläufen (Corti-Clyss®) begonnen, worauf erneut eine Remission erzielt werden konnte. Nachdem bis 1992 wiederholte Bestimmungen des Serumkreatinins im Normbereich waren, wurde Ende August 1998 erstmals eine Erhöhung des Serumkreatinins auf 415 μ mol/L festgestellt. Die Mesalazin-Therapie wurde sistiert. Im November 1998 wurde eine Komplementärbehandlung mit Akupunktur sowie homöopathischen und pflanzlichen Arzneimitteln begonnen. Das Serumkreatinin war im Januar 2000 auf 239 μ mol/L gesunken. Zur weiteren ambulanten nephrologischen Abklärung wurde die Patientin im Februar 2000 ins Stadtspital Waid Zürich überwiesen. Bei der klinischen Untersuchung war die Patientin in einem reduzierten Allgemeinzustand. Das Körpergewicht betrug 50 kg und die Körpergrösse 165 cm (BMI 18,4 kg/m2). Der Blutdruck betrug im Sitzen 140/90 mm Hg und der Puls 99/min. Die Laboruntersuchungen ergaben folgende Werte: eine Eisenmangelanämie mit einer Hämoglobinkonzentration von 11,8 g/dL; Glukose 4,8 mmol/L, Kreatinin 223 μ mol/L, Harnstoff 9,2 mmol/L, Harnsäure 326 μ mol/L, Natrium 142 mmol/L, Kalium 3,7 mmol/L, Kalzium 2,27 mmol/L, anorganisches Phosphat 0,95 mmol/L, GOT 15 U/L, GPT 9 U/L, alkalische Phosphatase 56 U/L. Die Kreatinin-Clearance war mit 27,0 mL/min/1,73 m2 deutlich vermindert. Der Urinstatus ergab ein spez. Gewicht von 1010, pH 6,0, Eiweiss 0,75 g/L, Glukose negativ. Das Urinsediment zeigte eine Erythrozyturie mit 2–7 Ec/GF. Die 24-Stunden-Eiweissausscheidung war mit 0,8 g/24 Std. geringgradig erhöht. Die immunologischen Untersuchungen ergaben keinen pathologischen Befund. Sonographisch fanden sich verkleinerte Nieren (Längsdurchmesser rechts 8,2 cm, links 8,3 cm) mit einem verschmälerten Parenchymsaum. Die anschliessend durchgeführte Nierenbiopsie zeigte eine chronische interstitielle Nephritis. 10 von 24 Glomerula waren global sklerosiert. In zahlreichen übrigen Glomerula fand sich eine unterschiedlich ausgeprägte periglomeruläre Fibrose und teils gewellte glomeruläre Basalmembran. Das Interstitium zeigte eine herdförmig betonte Fibrose und Tubulusatrophie sowie Infiltrate vorwiegend bestehend aus Lymphozyten und einzelnen Histiozyten. (Abb. 1). In der Elektronenmikroskopie waren keine Depots vom Immunkomplex-Typ nachweisbar. Im weiteren Verlauf verzeichnete man eine leichte Abnahme des Serumkreatinins auf 217 μ mol/L. Eine wegen erneut aufgetretenen blutigen Durchfällen Ende August 2000 durchgeführte Koloskopie zeigte eine Pankolitis, welche unter einer weiteren Therapie mit Deflazacort abklang. Die Patientin war im Februar 2001 wieder beschwerdefrei. Mesalazin-assoziierte interstitielle Nephritis
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