Passivrauchen und COPD - Replik
Author(s) -
O Brändli,
Gebbers Jo,
A Schläpfer
Publication year - 2002
Publication title -
forum médical suisse ‒ swiss medical forum
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-6146
pISSN - 1661-6138
DOI - 10.4414/fms.2002.04551
Subject(s) - copd , medicine
Sehr geehrte Damen und Herren In der Curriculum-Übersicht über umweltbedingte Lungenkrankheiten schreiben Gebbers und Schläpfer (Tabelle 4, Seite 1150), dass aktives Rauchen bei etwa 90% der Patienten die Entstehung einer chronischen obstruktiven Lungenkrankheit (COPD) verursacht, dass aber das Passivrauchen als Ursache nur vermutet oder kontrovers diskutiert werde. Leuenberger et. al. haben bereits 1994 aufgrund der Daten der schweizerischen Umweltstudie SAPALDIA zeigen können, dass nicht nur Kinder rauchender Eltern an Funktionseinbussen leiden, sondern dass auch bei erwachsenen Passivrauchern ein erhöhtes Risiko des Auftretens einer chronischen Bronchitis besteht. Entsprechend der Anzahl Raucherinnen und Raucher in der Umgebung und der Anzahl Stunden, während welcher täglich in der Umgebung geraucht wurde, nahm die Häufigkeit der chronischen Bronchitis signifikant zu (OR = 1,65, 95% CI = 1,28 bis 2,16). Dieser eindeutige Zusammenhang blieb bestehen, auch wenn bei den Probanden, welche während ihres ganzen Lebens selber nie geraucht hatten, auch noch für Unterschiede in der Schulbildung und berufliche Exposition korrigiert und alle Probanden, deren Mütter geraucht hatten und bei denen trotz Angabe, Nichtraucher zu sein, die in der Atemluft gemessenen Kohlenmonoxidwerte erhöht waren, ausgeschlossen wurden. Jaakkola hat in einer kürzlich erschienen Übersichtsarbeit von drei Langzeitstudien ein um 30 bis 100% erhöhtes Risiko für COPD bei Passivrauchern gefunden. Hingegen konnte bisher noch nicht nachgewiesen werden, dass Passivrauchen gleich wie das Rauchen selber zu einer rascheren Abnahme der Lungenfunktion bei Erwachsenen führt. Die im Gange befindliche schweizerische Kohortenstudie SAPALDIA mit gegen 10 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern sollte bald den Beweis erbringen können, dass Passivrauchen die altersbedingte Abnahme der Lungenvolumina beschleunigt, wenn auch nicht im gleichen Ausmasse wie das aktive Rauchen. Passivrauchen ist weitverbreitet. Sogar in den USA, wo weniger geraucht wird als bei uns, lassen sich bei 88% der Schulkinder im Blut erhöhte Kotinin-Spiegel nachweisen als Hinweis dafür, dass sie passivrauchen müssen (Pirkle et. al.). Martin H. Junker et. al. haben an der ETH Zürich zudem nachgewiesen, dass es ein Verdünnungsvolumen von 19 000 m3 braucht, um den Rauch einer Zigarette so zu verdünnen, damit er nicht mehr als Geruch wahrgenommen werden kann oder nicht mehr zu Augenreizungen führt. Bisher war man davon ausgegangen, dass die Konzentrationen 10bis 100mal höher sein müssen. Ohne die Bedeutung der übrigen Innenund Aussenluftverschmutzung herabmindern zu wollen, sind wir überzeugt, dass das Passivrauchen in unserer Bevölkerung nicht nur mangels gesetzlicher Massnahmen und deren Durchsetzung weit verbreitet, sondern auch bewiesenermassen für die Entstehung chronisch obstruktiver Lungenkrankheiten mitverantwortlich ist.
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