Vorhofflimmern bei Wolff-Parkinson-White-Syndrom
Author(s) -
Tatiana Ulrich,
Christian Steffen,
Klinik Medizin,
Spital Lachen
Publication year - 2008
Publication title -
kardiovask med
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.112
H-Index - 2
eISSN - 1662-629X
pISSN - 1423-5528
DOI - 10.4414/cvm.2008.01356
Subject(s) - white (mutation) , medicine , biology , genetics , gene
Eine 51-jährige Frau verspürt kurz nach dem Tennisspielen plötzlich ein schnelles, unregelmässiges, anhaltendes Herzrasen. Nach zwei Stunden sucht sie die Notfallstation auf. Die Herzfrequenz beträgt 170/min, der Blutdruck 120/70 mm Hg. Die Patientin ist kardiopulmonal kompensiert. Kurzes Herzrasen trat sporadisch seit 30 Jahren auf, sistierte aber meistens nach wenigen Minuten spontan oder nach Karotismassage. Im EKG (Abb. 1) sehen wir eine Tachykardie um 170/min mit schmalen und breiten Komplexen, welche eine inferiore Hauptachse und Rechtsschenkelblockmorphologie aufweisen. Während der Schmalkomplextachykardie ist eine Mittellage vorhanden. Die Brustwandableitungen zeigen eine regelrechte R-Progression ohne Erregungsrückbildungsstörungen. Die eingestreuten Breitkomplextachykardien weisen teilweise einen gleichen RRAbstand auf. Sie lassen an eine ventrikuläre Tachykardie aus dem linksventrikulären Ausflusstrakt denken. Entsprechend dem Algorithmus zur Differenzialdiagnose einer Breitkomplextachykardie nach Brugada [1] ist eine Kammertachykardie aber unwahrscheinlich. Da eher eine absolute Arrhythmie bei vermutlichem Vorhofflimmern vorliegt, könnten die verbreiterten QRS-Komplexe durch eine Aberration bedingt sein. Allerdings entspricht die QRSAchse nicht der Insertionsstelle eines rechten oder linken Schenkels. Für eine Torsade de pointes wäre eine oszillierende QRS-Achse pathognomonisch. Die fehlende Ansprache auf Karotismassage spricht gegen eine supraventrikuläre Tachykardie. Am wahrscheinlichsten ist ein anterograd übergeleitetes Vorhofflimmern bei Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW). Therapie der Wahl ist die rasche Elektrokonversion. Nach Applikation von 200 Joule stellt sich prompt ein normofrequenter Sinusrhythmus ein. Das Kontroll-EKG (Abb. 2) zeigt einen normokarden Sinusrhythmus und eine verkürzte PQ-Zeit (100 ms) mit positiver Delta-Welle in II, III, aVF, V2–V6, isoelektrischem Delta in V1 und q in aVL. Zu vermuten ist ein linkslaterales Bündel [2]. Die Patientin wird nach einer unauffälligen 24-stündigen Rhythmusüberwachung mit Sotalol nach Hause entlassen. Die elektrophysiologische Untersuchung weist eine linkslaterale akzessorische Bahn nach. Nach Radiofrequenz-Katheterablation verschwinden die Delta-Wellen im Ruhe-EKG (Abb. 3). Die Patientin ist weiterhin beschwerdefrei.
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