Die lssliche Snde des Alain Berset
Author(s) -
Josef E. Brandenberg
Publication year - 2019
Publication title -
bulletin des médecins suisses
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-5948
pISSN - 1424-4012
DOI - 10.4414/bms.2019.17717
Subject(s) - philosophy
Robert Menasse (geb. 1954), österreichischer Schrift steller (Die Hauptstadt), mehrfach mit Auszeichnungen dekoriert, legte in seinen Schriften dem ersten Präsi denten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft EWG – Vorläuferin der EU – Walter Hallstein (1901–1982) Zitate in den Mund, die dieser nie gesagt hatte [1]. Dies sei eine «lässliche Sünde», meint der Tages-Anzeiger. Menasse habe sich einzig im Genre vergriffen, wenn er solche unwahren Zitate in einem Essay verwende. An sonsten aber gelte für den Dichter die künstlerische Freiheit [2]. Alles klar? Falsches Genre gleich lässliche Sünde. Claas Relotius (geb. 1985) ist, nein, war ebenfalls ein umworbener Star. Um seine Reportagen riss man sich im ganzen deutschsprachigen Raum. Auch in der Schweiz durfte er in der NZZ am Sonntag und in der Weltwoche schreiben. Sein Problem: Viele seiner Ge schichten waren frei erfunden [3]. Die Empörung in der Szene ist gross, Relotius wohl für längere Zeit oder gar für immer out. Denn er verkaufte seine Lügen in der Sparte «Reportagen», eine Todsünde. Seine Sperberaugen sind ein Fall für den Ophthal mologen. Urs P. Gasche schreibt am 24. Januar 2019 auf seiner OnlinePlattform [4]: «Chirurgen überlassen Patienten mit neuen Hüftund Kniegelenken meist ihrem Schicksal. Fast keiner dieser Chirurgen interessiert sich für seine Patientinnen und Patienten, nachdem diese das Spital verlassen haben.» Nach der Lesart des TagesAnzeigers handelt es sich bei diesen Lügen um lässliche Sünden. Er hätte einzig das Format des Pamphlets und nicht des seriösen Journalismus wählen sollen. Noch vor gut einem Jahr war er der Shootingstar der Politik. Heute kämpft Pierre Maudet (geb. 1978) ums politische Überleben – und wohl auch um das Ruhege halt nach dem Ausscheiden aus dem Amt als Genfer Staatsrat. Und beinahe hätte – nach 1989 – ein zweites Mitglied der gleichen Partei wegen einer Lüge vorzeitig als Bundesrat zurücktreten müssen. Nach wie vor ist Maudet als Kolumnist einer der gröss ten Tageszeitungen willkommen. Als sie vor 60 Jahren erstmals erschien, erzählte man den Witz: «Im Him mel steht ein Christbaum voller Glöcklein. Immer
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