Méliès / Metz: Zur Theorie des Filmtricks
Author(s) -
Frank Keßler
Publication year - 2015
Publication title -
mediarep
Language(s) - German
DOI - 10.25969/mediarep/3505
Subject(s) - philosophy , political science
Als Georges Méliès im Annuaire général et international de la photographie von 1907 seine Causerie über «Les vues cinématographiques» veröffentlicht, geht es ihm nicht allein darum, der an der Fotografie interessierten Leserschaft darzulegen, wie Filme hergestellt werden, sondern er versucht auch, die vielfältigen Tricktechniken, von denen er sich selbst eine ganze Reihe als Erfinder zuschreibt, als zentrales Ausdrucksmittel der Kinematographie zu präsentieren. Dank ihrer, so schreibt er, sei man nun in der Lage, «die unmöglichsten und unwahrscheinlichsten Sachen auszuführen» (1993 [1907], 26). Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seines Artikels ist Méliès ein national und international sehr erfolgreicher Filmhersteller, dessen Feerien und Zaubernummern beim Publikum beliebt sind. Sein Geschäft beruht vor allem auf den einfallsreichen, präzise ausgeführten und verblüffenden Tricks, mithilfe derer er phantastische Welten und märchenhafte Geschehnisse auf die Leinwand bringt. Mehr als ein halbes Jahrhundert später, 1972, erscheint im zweiten Band der Essais sur la signification au cinéma des französischen Semiologen Christian Metz ein Aufsatz mit dem Titel «Trucage et cinéma». Im Rückblick kommt diesem 1971 verfassten Text eine Scharnierfunktion im Werk des zu diesem Zeitpunkt bereits international weithin bekannten Theoretikers zu. Während hier einerseits die in einem früheren Aufsatz begonnene Erörterung der Interpunktionsverfahren im filmischen Diskurs weitergeführt wird, die noch ganz im Zeichen
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