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Bildungsreformen und die Neukonstituierung der Schweizer Bildungsforschung in den 1960er- und 1970er-Jahren
Author(s) -
Lucien Criblez
Publication year - 2017
Publication title -
pedagógiatörténeti szemle
Language(s) - German
Resource type - Journals
ISSN - 2415-9093
DOI - 10.22309/ptszemle.2015.4.2
Subject(s) - political science , humanities , art
Die Bildungsreformen der 1960er- und 1970er-Jahre fuhrten in der Schweiz insbesondere zu einem quantitativen Wachstum des Bildungssystems. Motoren dafur waren erstens die Demografie (Bevolkerungswachstum durch Geburtenuberschuss und Zuwanderung), zweitens wirtschaftspolitische Motive (Mangel an qualifiziertem Nachwuchs), drittens gesellschaftspolitische Motive (mehr Chancengleichheit durch die Offnung der hoheren Bildung) und letztlich bildungspolitische Motive, insbesondere die Verkleinerung der Klassen und die Verlangerung der obligatorischen Schulzeit auf neun Jahre. Im Rahmen der Reformen wurden zwar der Kindergarten ausgebaut, das Unterrichtsobligatorium verlangert, neue Mittelschultypen geschaffen und der tertiare Bildungsbereich ausgebaut. Aber in wesentlichen Bereichen (Sekundarstufe I, Gymnasium, Lehrerbildung, Universitat) konnten keine strukturell tiefgreifenden Reformen durchgefuhrt werden – es kam zu wesentlichen Reformstaus, die erst in den 1990er-Jahren aufgelost werden konnten. Von der Gemengenlage von Reformimpulsen, Reformversuchen, Reformprojekten und Reformblockaden profitierte insbesondere die Bildungsforschung. Mit dem Ziel einer „rationalen Bildungspolitik“ (Widmaier, 1966) wurden insbesondere in den kantonalen Bildungsadministrationen Bildungsplanungsstellen eingerichtet. Sie sollten als wissenschaftliche Informationsfunktionen die wissenschaftlichen Grundlagen fur die Bildungspolitik beschaffen. Zwar wuchs im Zuge des Ausbaus der Hochschulen auch die universitare Erziehungswissenschaft. Aber die Funktionalisierung der Wissenschaft beforderte ein primar utilitaristisches Konzept von Bildungsforschung, das teilweise bis heute nicht uberwunden ist.

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