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Mediengewalt und rituelle Reinigung. Zur Katharsis-Hypothese
Author(s) -
Isabell Otto
Publication year - 2013
Publication title -
zfk - zeitschrift für kulturwissenschaften
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 2197-9111
pISSN - 2197-9103
DOI - 10.14361/zfk.2013.0112
Subject(s) - art
Mediale Gewaltdarstellungen standen immer schon im Verdacht, nicht nur Schaden zu zeigen, sondern auch anzurichten: Grausamkeiten auf der Theaterbühne sollen die Sitten verderben, Gewalttäter im Kino lernen, wie sie ihre Waffen zu gebrauchen haben; das Fernsehen schüre Aggressionen, Computerspiele seien Auslöser für Amokläufe – so oder ähnlich lauten die üblichen Verdächtigungen. Mediengewalt ist von hoher politischer Brisanz, entfacht immer wieder moralische Entrüstung und pädagogische Debatten, lässt Forderungen nach Zensur und Verbot laut werden. Kaum ein anderer Bereich der Wirkungsforschung sieht sich deshalb in ähnlicher Weise in die Pflicht genommen wie die Mediengewaltforschung. Sie soll Erklärungen liefern, mit Hilfe eines stichhaltigen empirischen Beweises die Frage beantworten, ob die dargestellte Gewalt in einem kausalen Zusammenhang steht zur physisch verübten Gewalt. Schlagkräftig kann dieser Beweis jedoch nicht ausfallen. Denn ›harte Fakten‹, für alle Zeiten gültige Kausalitätsaussagen widersprechen dem sozialwissenschaftlichen Ideal einer beständigen empirischen Falsifizierbarkeit aller Aussagen und Resultate. Je seriöser eine kommunikationswissenschaftliche Studie argumentieren will, desto vorsichtiger formuliert sie ihre Befunde (vgl. Merten 1999: 159). Gerade in Abgrenzung zu einer entrüsteten Debatte, in der starke Wirkungsthesen verlangt und auch formuliert werden, votieren die Vertreter der empirischen Mediengewaltforschung für differenzierte Wirkungsthesen, die nicht grundsätzlich für alle Mediennutzer gelten, sondern ›Problemgruppen‹ und ›Einzelfälle‹ zu identifizieren helfen (vgl. Kunczik/Zipfel 1998). Schädliche Medienwirkung lässt sich auf diese Weise auf ein Restrisiko reduzieren, aber sie bleibt in der Form dieses Risikos nach wie vor virulent. Darin besteht innerhalb

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