Psychotherapie bei Schizophrenie: Was geht?
Author(s) -
Tania M. Lincoln,
Steffen Moritz
Publication year - 2017
Publication title -
verhaltenstherapie
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.219
H-Index - 23
eISSN - 1423-0402
pISSN - 1016-6262
DOI - 10.1159/000479849
Subject(s) - psychology , psychotherapist , psychoanalysis
Entwicklung psychoedukativer Ansätze in Deutschland spielen Gabriele Pitschel-Walz und Josef Bäuml, die einen aktuellen Überblick über die Inhalte und den Forschungstand zur Evidenz sowie über die Wirkfaktoren psychoedukativer Verfahren geben [Pitschel-Walz und Bäuml, 2017]. Besonders interessant sind dabei neuere Entwicklungen zu kulturspezifischen Anpassungen psychoedukativer Programme für besondere Zielgruppen. Ebenfalls auf eine etwa 30-jährige Tradition blicken verschiedene Skills-Training-Ansätze, die bei der Rezidivprophylaxe für schizophrene Patienten recht verbreitet sind. Basierend auf dem Vulnerabilitäts-Stress-Modell dienen solche Trainings vor allem dem Umgang mit Folgeproblemen der Störung, aber auch dem Aufbau von bereits prämorbid nicht vorhandenen Kompetenzen. Stellvertretend für den Bereich der Fertigkeitentrainings geben Daniel Müller und Volker Roder einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zu kognitiven Trainings und Remediationsansätzen [Müller und Roder, 2017]. Diese Trainings zielen speziell auf die Modifikation kognitiver Defizite psychotischer Patienten durch eine Verbesserung kognitiver Funktionen. Dabei wird vor allem zwischen restitutiven (neue Fertigkeiten werden durch Üben gelernt) und kompensatorischen Ansätzen unterschieden. Die Autoren, die eine langjährige praktische und Forschungsexpertise in diesem Bereich aufweisen, beleuchten auch aktuellere Entwicklungen, die neben den klassischen Domänen Fertigkeiten im Bereich der sozialen Kognition mittrainieren. Während Psychoedukation und Fertigkeitentrainings im deutschsprachigen Raum also bereits eine längere Behandlungstradition aufweisen, galten Interventionen, die unmittelbarer an den Symptomen ansetzen, bei Schizophrenie lange Zeit als kontraindiziert. In den klinisch-psychologischen Lehrbüchern wurde Schizophrenie für kognitiv-behaviorale Interventionen als Kontraindikation gelistet, und noch immer berichten uns junge Absolventen der Psychologie, sie hätten im Studium gelernt, dass man bei Schizophrenie psychotherapeutisch «nicht viel machen» könne. Auch in den Psychotherapie-Richtlinien wurden akut psychotische Patienten noch bis vor Kurzem von der Indikation ausgeschlossen, indem Psychotherapie hier auf die Behandlung der Residual-, Folgeoder BeMenschen mit psychotischen Störungen leiden unter einer Reihe von Problemen. Diese bieten sich für psychotherapeutische Interventionen geradezu an. Auch wünschen betroffene Patienten häufig eine psychotherapeutische Behandlung ihrer Probleme. Dazu gehören zum einen die Kernsymptome einer Schizophrenie, wie Verfolgungswahn, das Hören bedrohlicher Stimmen (Positivsymptomatik) oder der Verlust von Antrieb und Motivation (Negativsymptomatik). Zum anderen kann die Erfahrung einer akuten psychotischen Episode, die oft mit einem freiwilligen oder unfreiwilligen Krankenhausaufenthalt einhergeht, traumatisierend wirken. Häufig treten intrusive Erinnerungen an die psychotische Episode auf sowie eine anhaltende Sorge über mögliche Rückfälle. Ferner fehlen vielen Patienten mit Schizophrenie bestimmte basale Fertigkeiten, z.B. haben sie Schwierigkeiten, Probleme effektiv zu lösen, erfolgreich zu kommunizieren oder Gefühle effektiv zu regulieren. Diese Schwierigkeiten können die Wiedereingliederung in den beruflichen und sozialen Alltag erschweren. Auch für das soziale Umfeld ergeben sich häufig Probleme aus Unverständnis gegenüber wahnhafter Symptomatik oder aus Ungeduld gegenüber Motivationsmangel und Antriebsstörungen. Daher äußern auch viele Angehörige den Wunsch nach Begleitung und professioneller Unterstützung. Erfreulicherweise gibt es inzwischen eine breite Palette psychotherapeutischer Ansätze, wenngleich wir weiter unten ein großes «Aber» anfügen. Weit verbreitet und im deutschsprachigen Raum schon seit 30 Jahren beforscht sind psychoedukative Familieninterventionen, die in nationalen und internationalen Leitlinien empfohlen werden [NCCMH, 2014]. Bei diesen Ansätzen steht die Aufklärung der Patienten und ihrer Angehörigen über die «Erkrankung» im Fokus. Das Ziel ist es, ein Krankheitsverständnis – basierend auf Vulnerabilitäts-Stress-Modellen – zu erlangen und den selbstverantwortlichen Umgang mit der Erkrankung sowie ihre Bewältigung zu fördern. Eine federführende Rolle bei der
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