Komplementärmedizinische Beratung in der Onkologie
Author(s) -
Matthias Rostock,
Reinhard Saller
Publication year - 2011
Publication title -
forschende komplementärmedizin / research in complementary medicine
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-4127
pISSN - 1661-4119
DOI - 10.1159/000330357
Subject(s) - medicine
In den letzten 10–15 Jahren sind im deutschen Sprachraum an verschiedenen Universitatskliniken Beratungsmoglichkeiten fur Krebspatienten zu komplementarmedizinischen Therapieoptionen eingerichtet worden. Zum Teil sind entsprechende Experten direkt in den universitaren Krebszentren beschaftigt wie z.B. in Jena, Hamburg, Frankfurt/M. oder Zurich, wo das Insti tut fur Naturheilkunde in den Bereich Innere Medizin – Onkologie integriert ist. Zum Teil sind konsiliarische Kooperationen etabliert wie in Berlin zwischen dem Cancer Center der Charite und der CHAMP-Ambulanz am Institut fur Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsokonomie, in Freiburg i.Br. mit dem Unizentrum Naturheilkunde, in Munchen mit dem Kompetenzzentrum Komplementarmedizin Naturheilkunde (KoKoNat), in Koln mit dem Institut zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren oder in Bern mit der Kollegialen Instanz Komplementarmedizin (KIKOM). In anderen Universitatskliniken sind entsprechende Einrichtungen in anderen Abteilungen etabliert, insbesondere in der Gynakologie, z.B. in Heidelberg, in Giesen, oder in Wien. In Essen gibt es eine Kooperation zwischen dem Brustzentrum und der Klinik fur Integrative Medizin und Naturheilkunde. An der Berliner Charite und am Haunerschen Kinderspital in Munchen befinden sich entsprechende Einrichtungen in der Padiatrie bzw. der padiatrischen Onkologie, an der Medizinischen Hochschule Hannover in der Strahlentherapie. An das therapeutische Handeln und die therapeutische Bera tung innerhalb universitarer Einrichtungen wird der Anspruch einer wissenschaftlichen Nachprufbarkeit gestellt – fur viele heist dies, dass nur das, was gemas der sogenannten, allerdings oft missverstandenen und verkurzt wahrgenommenen Evidence-Based Medicine in seiner Wirksamkeit belegt ist, auch zur Anwendung kommen sollte. Erfreulicherweise hat das Forschungsvolumen in der komplementarmedizinischen Onkologie in den letzten Jahren deutlich zugenommen, vor allem aufgrund einer endlich zunehmenden Verfugbarkeit der Forschungsmittel. Zu einigen Therapieverfahren finden sich in der hier vorliegenden Ausgabe von Forschende Komplementarmedizin Ubersichtsarbeiten, die den jeweiligen aktuellen Forschungsstand zusammenfassen. So ist es heute zuverlassiger als noch vor wenigen Jahren moglich, eine Reihe komplementarmedizinischer Patientenfragen entsprechend dem Forschungsstand aufzugreifen. Nichtsdestotrotz ist die Zahl der wissenschaftlich uberpruften komplementaren Therapien in der Onkologie nach wie vor begrenzt. Man steht immer wieder vor der Frage, wie ein sinnvoller Umgang mit moglicherweise hilfreichen, aber wissenschaftlich nicht genugend evaluierten naturheilkundlichen bzw. komplementarmedizinischen Therapieansatzen aussehen konnte. Als anschauliches Beispiel hierfur mag der Beitrag zu antiphlogistisch wirksamen Phytotherapeutika [1] dienen. In einer Reihe nichtuniversitarer Einrichtungen und in vielen Praxen scheint durchaus eine relativ grose therapeutische Experimentierfreude zu bestehen, die mitunter aber auch dazu fuhren kann, dass den Patienten fragwurdige Therapien zu moglicherweise hohen Kosten angeboten werden. In universitaren Beratungsambulanzen herrscht dagegen haufig die Maxime vor, dass von der Anwendung einer Methode oder eines Arzneimittels, fur das es in der geplanten Indikation keine randomisierten Studien gibt, in der Regel abgeraten werden sollte. Ungelost ist weiterhin die Frage, durch welche begrundete Einstellung der beratende Arzt dem einzelnen Patienten mit komplementarmedizinischen Fragen am ehesten gerecht werden kann. Dabei sollte primar das Anliegen des Patienten im Fokus stehen, und nicht allein das Diktat der wissenschaftlichen Uberprufbarkeit. Das Anliegen unterschiedlicher Patienten an ihren komplementarmedizinisch beratenden Arzt kann in vergleichbaren Therapiesituationen sehr unterschiedlich sein. Eine kanadische Arbeitsgruppe um Lynda G. Balneaves und Marja Verhoef [2] arbeitete im Rahmen einer qualitativen Studie mit Brustkrebspatientinnen drei verschiedene Formen der Entscheidungsfindung bezuglich komplementarmedizinischer Therapien im therapeutischen Gesamtkonzept ihrer Tumorerkrankung heraus:
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