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Fünfundzwanzig Mal Jahrestagung für Phytotherapie
Author(s) -
Beat H. Meier,
Jean-Michel Jeannin
Publication year - 2010
Publication title -
forschende komplementärmedizin / research in complementary medicine
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-4127
pISSN - 1661-4119
DOI - 10.1159/000320958
Subject(s) - environmental science
Im Jahr 1986 wurde in Luzern die erste Schweizerische Jahrestagung für Phyto therapie durchgeführt. Sie begründete eine Tradition, deren Ende hoffentlich nicht abzusehen ist. Seither fand ohne Ausnahme jedes Jahr eine Tagung statt. Für den 25. November 2010 wird zum 25. Mal eingeladen. Die Themenvielfalt, die im Lauf der Zeit angeboten wurde, ist erstaunlich, und die erkennbaren Fortschritte sind enorm: Standen zu Beginn Persönlich keiten und nicht sehr spezifische Erfah rungsberichte im Vordergrund, konnte die Phytotherapie schon bald sukzessive mit Daten aus neuester klinischer und pharmakologischer Forschung gestützt werden. Die erste Tagung von 1986 in Luzern stand ganz im Zeichen des Hauptrefe renten Rudolf Fritz Weiss. Weiss gilt als Mentor der Phytotherapie. Er trug seine in der ersten Hälfte des Jahrhunderts erworbenen Kenntnisse über Arznei pflanzen hinüber in die moderne Medi zin, schaffte den Begriff der Phytothera pie und stellte diese als eine Disziplin der Naturwissenschaften vor. Sein Lehr buch der Phytotherapie war diesem Gedanken verpflichtet, auch wenn es in den Anfängen primär auf seinen und den Erfahrungen vieler anderer Ärzte und Heilkundiger beruhte. Die ersten drei Tagungen wurden von der SAGEM (Schweizerische Ärz tegesellschaft für Erfahrungsmedizin) organisiert. Die Firma Bioforce half tat kräftig mit, eine solche Veranstaltung überhaupt möglich zu machen. 1988, im Anschluss an die dritte Jahrestagung in Interlaken, wurde die Schweizerische Medizinische Gesellschaft für Phyto therapie gegründet. Sie übernahm den Auftrag, die begonnene Tradition fort zusetzen. Sie tat dies mit Erfolg. 1989 trat sie erstmals als Organisator der Tagung auf, und in den Akten findet sich das erste grüne Programmheft, des sen Format mit leichten Modifikationen bis zur 19. Tagung im Jahr 2004 Bestand haben sollte. Bis dahin lief die Tagung über das Sekretariat der SMGP unter der bewährten Leitung von Elisabeth Bacs. Ab 1989 wurde in Baden getagt – dieser mit ihren Bädern der Erfahrungs medizin verbundenen Stadt blieb die SMGP mit einer Ausnahme bis heute treu. Lange Zeit war Baden auch das Zentrum der SMGPKurse im Rahmen des Ausbildungszyklus, der am Freitag nach der dritten Tagung in Interlaken gestartet worden war. Nachdem an der vierten Tagung, zum Thema «Urologie», noch Titel wie «Das botanische Bild von Pflanzen mit diuretischer Wirkung» und «Das Bild der Pflanzen, welche bei Prostatahyper trophie und Harnwegsinfekten einge setzt werden» dominierten, finden sich in den Akten zur fünften Tagung erst mals Hinweise auf klinische Studien: Es war damals Volker Schulz, der unter dem Thema «Knoblauch – Modedroge oder mehr?» von zahlreichen klinischen Studien zur Senkung von Cholesterin und Triglyzeriden, zur Gefäßerweite rung und Blutdrucksenkung sowie zur Wirksamkeit bei peripheren arteriellen Verschlusskrankheiten berichtete. Es war ein Feuerwerk an klinischen Daten, wie man es zuvor nicht gehört hatte. Auch wenn der Knoblauch 15 Jahre später nicht mehr die Bedeutung von damals hat und die Ergebnisse heute kritischer gesehen werden, so wurde damit doch die Ära der klinischen For schung mit Arzneipflanzen eingeleitet. Die SMGP ihrerseits versuchte mit ihrem prospektiven Erfahrungsbericht ein Instrument zu entwickeln, um zu Wirksamkeitsdaten beim Einsatz von Phytotherapeutika in der Praxis zu ge langen. Eine Studie mit Johanniskraut bestätigte schon früh, was später eine ganze Reihe von Doppelblindstudien belegten: Die Wirksamkeit von Johan niskraut bei milden bis mittelschweren Störungen. Bei schweren Störungen hingegen erwies sich die Wirksamkeit als ungenügend. Das Arbeitsinstrument wurde bei zwei weiteren Studien zur Dokumentation von Efeu und Baldrian mit Erfolg eingesetzt. Mangels Mitteln und Infrastruktur gab es keine Fortset zung, obwohl in diesem Bereich immer wieder sehr großer Forschungsbedarf erkennbar war. Die Entwicklung schritt so rasch voran, dass dem Thema klinische Stu dien unter dem Titel «Aktuelle Resul tate aus der klinischen Forschung in Phytotherapie» 1993 eine eigene Ta gung gewidmet wurde. Klemens Brüh wiler schrieb im Grußwort: «Der Dop pelblindversuch wurde 1943 in die Pharmakologie eingeführt. Fasziniert können wir feststellen, dass das Pro gramm der 8. Schweizerischen Tagung für Phytotherapie fast zu einer Geburts tagsfeier für den kontrollierten Versuch gerät. Das beweist lebendige und dyna mische Tradition. Auf die Resultate der vorgestellten Studien kann man ge spannt sein. Sie sind für die Freunde der Phytotherapie gleich wichtig wie für die praktisch tätigen Medizinalpersonen, welche zunehmend mit den Fragen der kritischen Patienten konfrontiert wer den.» Präsentiert wurden Studien mit Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen, Weiß dorn in Kombination mit Passionsblume bei Patienten mit Herzinsuffizienz im Stadium NYHA II, benigne Prostatahy perplasie, Kawa und Johanniskraut. Mit Ausnahme von Kawa, dessen Zuberei tungen von den Behörden in Europa wegen umstrittenen Zwischenfällen infolge Lebertoxizität als Arzneimittel verboten wurden (auf anderen Konti nenten jedoch ohne dass weitere Folgen bekannt geworden wären, weiterhin in Gebrauch sind), haben diese Pflanzen und Zubereitungen nichts an Aktualität eingebüßt! Wiederum steht Volker Schulz an dieser Tagung in der Rolle des Pioniers: Er verglich eine Zubereitung aus Weiß dorn mit dem ACEHemmer Captopril. Damit wurde das Thema der Jubiläums tagung von 2005 (20. Tagung) «Pflanzli che versus synthetische Arzneimittel» erstmals aufgegriffen. Der Weißdorn blieb und bleibt ein Thema: Das Poten zial dieser Pflanze ist in all den Jahren nie richtig ausgeschöpft worden. Ob sich das in Zukunft ändern wird? Ein Jahr später, zum Themenkreis Dermatologie, war es dann wieder schwieriger, mit klinischen Daten aufzu warten. Dies blieb in diesem Indikations gebiet der 20. Jahrestagung vorbehalten, als der Vergleich einer neuartigen Kom bination von Extrakten aus Salbeiblät tern und Rhabarberwurzeln mit Aciclo vir bei Herpes simplex gezogen wurde. 1995 war die erste Jubiläumstagung, nämlich die zehnte Jahrestagung, ange sagt. Das neue Krankenversicherungs gesetz, das eben in Kraft getreten war, und das zu Ende gehende Nationale Forschungsprogramm NFP 34 zur Kom plementärmedizin, das allerdings die Phytotherapie ausgeblendet hatte, ani mierten zu einer Tagung mit dem Titel «Die Rolle der Phytotherapie in der Medizin. Trends und Analysen». Der Vertreter des Krankenkassenkonkorda tes, Daniel Wyler, bilanzierte nüchtern: «Die Phytotherapie fristet völlig zu

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