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Wie die Lunge die Lebenskraft bestimmt
Author(s) -
C. Uhlemann
Publication year - 2007
Publication title -
complementary medicine research
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.238
H-Index - 38
eISSN - 2504-2106
pISSN - 2504-2092
DOI - 10.1159/000104780
Subject(s) - icon , citation , information retrieval , subject (documents) , computer science , download , world wide web , citation database , library science , medline , biology , biochemistry , scopus , programming language
Das 8. Symposium zur Ratio und Plausibilität in der Naturheilkunde fand wiederum zum Jahresende in Jena statt. Vertreter der sogenannten Schulmedizin und der klassischen Naturheilverfahren fanden sich zusammen, um zum Thema «Wie die Lunge die Lebenskraft bestimmt» zu referieren. Das Lungenorgan steht aktuell im Fokus gesundheitspolitischer Diskussionen zum generellen Rauchverbot und den medizinischen, gesundheitsökonomischen und gesellschaftspolitischen Auswirkungen des Rauchens und Passivrauchens. Die Lunge entspricht einem Funktionskreis, der wesentlich für unser Wohlbefinden, unsere Vitalkraft und Vitalität sowie unsere Geisteshelle verantwortlich ist. Nach Prognosen der WHO wird die chronische Bronchitis (COPD), eine der häufigsten Lungenerkrankungen bis 2020 den 3. Platz in der Todesursachenstatistik einnehmen. Dabei «brennt die Lunte nicht nur in der Lunge», sondern ergreift das gesamte System mit Gewichtsverlust, Kachexie, Herz-Kreislauf-Störungen, Muskelschwäche und –atrophie, Osteoporose, Depression und Hormonmangel. In der griechischen und römischen Antike gab es neben der Schule der Alexandriner, der Empiriker, der Methodiker auch die an die Philosophie der Stoa angelehnte Schule der Pneumatiker, die im ersten vorchristlichen Jahrhundert entstand. Im Pneuma (griech. Lufthauch, Atem, Geist) sahen die Pneumatiker, deren theoretische Grundlage aus einer Verbindung von Pneuma und hippokratischer Säftelehre bestand, den Träger des Lebens. «Der Vitalstoff Luft, das Pneuma, wird durch die Lungen in den Körper zur Abkühlung der vom Herzen produzierten Hitze aufgenommen, durchströmt dann zusammen mit dem in der Leber gebildeten Blut den Körper und erhält somit allen Organen der Körperperipherie die Funktion des Organismus.» Nach den Pneumatikern ist Gesundheit der Normalzustand des Pneumas, dessen günstigen Tonos (Spannung) man durch Abtasten des Pulses erkennen kann. Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gibt die Qualität des Pulses Auskunft über die körperliche und seelische Verfassung des Menschen. Das «Lungen-Qi» ist neben dem «Nierenund Nahrungs-Qi» eine der 3 elementaren Energiequellen und bestimmt die Vitalität und Geistigkeit eines Menschen. In der klassischen Naturheilkunde ist die Atmung und damit die Lungenfunktion per se eine der Vogler’schen Grundfunktionen. Eine gesunde Lunge ist mit einer guten Abwehrkraft, einer frohen Gemütslage sowie einem aktiven, motivierten Menschen verbunden. Im Falle von Schwindsucht hielten die alten klassischen Naturheilkundler abhärtende Maßnahmen in Form von Kaltwasseranwendungen, moderatem Bewegen und Luftveränderung (Seereisen) für angezeigt. Die Lunge als Atmungsorgan im ganzheitlichen bzw. integrativen System erfährt eine erweiterte Bedeutung, die sich auch in der Metaphorik einer körperbezogenen Sprache ausdrückt: es verschlägt einem den Atem, man kann vor Angst keine Luft holen, es fehlt die Luft zum Atmen, es stockt der Atem, etwas ist atemberaubend schön, jemand hat einen langen Atem oder keine Zeit zum Luftholen. Die Atmung ist die Brücke zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein, durch bestimmte Atemtechniken können tranceähnliche Zustände erreicht werden. Auch muss die Atmung als physiologischer («struktureller») Vorgang und der Atem («Odem») als Ergebnis leibseelischer Zustände interpretiert werden. Gesamtheitliche Betrachtungen, wie die Lunge die Lebenskraft bestimmt, wurden auf diesem Symposium erläutert. Zunächst standen Erörterungen zur neuronalen und biochemischen Steuerung der Lungenfunktion im Vordergrund. Hernach wurde aus sog. schulmedizinischer Sicht das Lungenorgan in seiner inneren und äußeren Bedingtheit im Menschen erörtert. Dabei konnte gezeigt werden, dass pneumologische Standardtherapien bei Patienten mit COPD weniger oft effizient waren, wenn jene zugleich depressiv waren. Ein weiteres Thema war die Atmung als Ausdruck der leibseelischen Einheit; Bezüge zu den Stoikern konnten wieder aufgegriffen werden: dass jeder Körper einen Odem, das Pneuma in sich hat, dessen Spannung auf alle Teile wirkt. Es wurden Atemtechniken vorgestellt, die ein Wohlsein auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene erzielen können. Abschließend wurden abhärtende Maßnahmen wie Bewegung, Licht, Luft, Wind und Wasser dargestellt und wie diese die Lungenkraft und damit Vitalkraft jedes Menschen beeinflussen können. Seriell applizierte und adäquat dosierte physikalische Reize (Bewegung, Wasser, Klimafaktoren) bedingen adaptationsphysiologische Mechanismen, die subjektiv spürbar und objektiv in den entsprechenden physiologischen Regelsystemen messbar sind. Somit erfährt der spezifische Lungenfunktionsparameter «Vitalkapazität» im engeren Sinne eine emergente Bedeutung für die Gesamtheitlichkeit eines jeden Menschen im erweiterten Sinn. Die Medizin der griechischen Antike und anderer Medizinsysteme hat der modernen Wissenschaft zahlreiche Studien und Entdeckungen hinterlassen, die es zu bewahren und für den Menschen als ganzheitliche Persönlichkeit zu nutzen gilt. C. Uhlemann Jena, Bad Wörishofen

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