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Viszeralchirurgie – quo vadis CHIRURGISCHE GASTROENTEROLOGIE INTERDISZIPLINÄR?*
Author(s) -
R. Bittner
Publication year - 2006
Publication title -
visceral medicine
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.598
H-Index - 17
eISSN - 2297-475X
pISSN - 2297-4725
DOI - 10.1159/000093784
Subject(s) - status quo , medicine , political science , law
Wir befinden uns in einer Zeit des Umbruchs! Betriebswirtschaftliche Kriterien drohen die Fachkompetenz zu ersticken. Ein leitender Chirurg muss sich zu 70–80% mit Managementaufgaben und nur zu 20–30% mit klinisch-fachlichen Aufgaben befassen. Hinzu kommen schlechte Arbeitsbedingungen, eine katastrophal niedrige Vergutung sowie mangelhafte Perspektiven fur den chirurgischen Nachwuchs mit den daraus resultierenden Folgen. Immer wieder und uberall wird ein trostloses Bild von der deutschen Chirurgie gezeichnet. Statt in Ausbildung und Weiterentwicklung zu investieren, fliesen die Gelder in die verschiedensten Verwaltungsburokratien, zu Unternehmensberatern und «Zertifizierungshelfern». Schwierigkeiten bei der Gewinnung des chirurgischen Nachwuchses mussen zwangslaufige Folgen dieser Entwicklung sein. Ist die Lage wirklich so katastrophal und hoffnungslos? Kein Zweifel – wir sind mit einem ganzen Straus von Problemen konfrontiert. Aber sind diese wirklich unlosbar und berechtigen sie zu einer derart depressiven und mutlosen Stimmungslage? Ich spreche immer wieder mit jungen Chefarzten. Durchweg vermitteln diese Gesprache erstaunlicherweise eine zufriedene Stimmung. Dies entspricht auch dem Ergebnis einer vom Konvent Leitender Krankenhauschirurgen initiierten, grosen Umfrage. Die jungeren Kollegen sind deutlich zufriedener als die alteren. Und, besonders bemerkenswert, die Chefarzte in den neuen Bundeslandern sind zufriedener als die in den alten. Fur das Wohlbefinden spielen offenbar neben den objektiven Gegebenheiten auch Gewohnheiten, Erwartungshaltung und Flexibilitat eine Rolle. Die aktuelle angespannte Lage im Gesundheitssystem konfrontiert auch die Chefarzte zunehmend mit okonomischen und logistischen Problemen. Das kann aber nicht heisen, dass fur die Ausubung unseres Berufs ein Master of Business Arts zwingende Voraussetzung ist, auch wenn Kenntnisse in diesem Bereich unabdingbar sind, um auch weiterhin akzeptierte Gesprachspartner fur unsere Geschaftsfuhrungen und Klinikleitungen zu bleiben. Stattdessen sollten wir uns in erster Linie auf den Erwerb und den Erhalt unserer fachlichen Kompetenz konzentrieren. Dabei durfen uns aber die wirtschaftlichen Belange unseres Krankenhauses nicht gleichgultig sein! Dennoch ist es meine Uberzeugung, dass gute Medizin letztlich auch im okonomisierten Prozess unseres Gesundheitssystems kostengunstiger ist. Was konnen wir tun? Was sind die Brennpunkte? Was wollen wir? Ich bin uberzeugt, angehende Chirurgen wollen nach wie vor in erster Linie operieren lernen. Die Problematik, mit der sich der junge Chirurg wahrend seiner Ausbildung konfrontiert sieht, betrifft die Arbeitszeit, die Arbeitsbedingungen, die Entlohnung und die berufliche Perspektive. Ein wesentlicher Punkt ist, dass sich die Arbeit ungeheuer verdichtet hat, nicht zuletzt auch durch den enormen Zuwachs an Burokratie. Der Chirurg ist pausenlos im Einsatz, muss Uberstunden machen und hat nicht selten trotzdem das Gefuhl, die Arbeit nicht geschafft zu haben. Fur Ausbildung, geschweige denn Kreativitat, vor allem aber auch fur Freude am Umgang mit dem Patienten und am Operieren verbleibt kaum Zeit. Das schafft Unzufriedenheit! Wie sah es in fruheren Zeiten aus? Kurzlich wurde mir von einem Patienten ein Band des «Archiv fur klinische Chirurgie» (dem Vorlaufer von Langenbeck’s Archives for Surgery) aus dem Jahr 1876 geschenkt. In diesem Band findet sich die gesamte OP-Statistik des Judischen Krankenhauses in Berlin uber 3 Jahre. In diesen 3 Jahren wurden im Judischen Kran* Mit Auszugen aus der Eroffnungsrede des Prasidenten der Deutschen Gesellschaft fur Viszeralchirurgie (DGVC), Professor Reinhard Bittner, anlasslich der 123. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft fur Chirurgie in Berlin.

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