z-logo
open-access-imgOpen Access
Tibetische Heilmittel bei chronischen Erkrankungen
Author(s) -
Reinhard Saller
Publication year - 2006
Publication title -
forschende komplementärmedizin / research in complementary medicine
Language(s) - German
Resource type - Journals
eISSN - 1661-4127
pISSN - 1661-4119
DOI - 10.1159/000091011
Subject(s) - medicine
Ausgewahlte Tibetische Heilmittel sind in der Schweiz seit mehr als 30 Jahren bekannt. Zwei der fixen Rezepturen (Padma Lax, Padma 28) sind seitdem als Arzneimittel durch die Schweizerische Arzneimittelzulassungsbehorde registriert bzw. zugelassen. Sie wurden zudem in die Spezialitatenliste aufgenommen, sie gehoren also zu den im Rahmen des Krankenversicherungsgesetzes (obligatorische Grundversicherung) verordnungsfahigen Arzneimitteln. Tibetische Arzneimittel sind ausnahmslos komplex zusammengesetzte Vielstoffgemische (Vielstoffkombinationen, multicomponent drugs, multicomponent mixtures, combinatorial drugs, multiingredient drugs). Ihre Inhaltsstoffe sind naturlicher (nicht synthetischer), zum grossten Teil pflanzlicher Herkunft (Arzneidrogen), zu einem kleineren Teil auch mineralischer Art. Zahlreiche dieser Bestandteile sind auch in der Traditionellen Chinesischen bzw. ayurvedischen Medizin bekannt. In ihrer Zusammensetzung lassen sie sich aus westlicher Sicht als ethnomedizinische Kombinationen charakterisieren. Kulturelle und historische Empirie, aber auch Alltagserfahrung und individuelle Empirie haben sie gepragt. Zu den vielfaltigen Wechselbeziehungen von Pflanzen und Behandlungsansatzen chinesischer, indischer und sibirischer Medizinkulturen kommt mittlerweile ein wachsender Austausch mit der westlichen Medizin hinzu. In den letzten 35 Jahren haben die Erfahrungen mit diesen tibetischen Vielstoffgemischen auch in westlichen Kulturen kontinuierlich zugenommen. Mittlerweile sind zahlreiche experimentelle, aber auch klinische wissenschaftliche Studien mit nachvollziehbar zusammengesetzten und modernen Qualitatsnormen genugenden tibetischen Arzneiund Heilmitteln durchgefuhrt und veroffentlicht worden. Empirie aus der arztlichen Praxis und Ergebnisse aus klinischen sowie aus In-vitround Ex-vivoForschungsarbeiten zeigen das plurivalente Potenzial dieser komplexen Mittel auch fur Patientinnen und Patienten im Kontext moderner westlicher Nosologien auf. Die auf gesichteten tibetischen Formeln basierenden pflanzlichen Heilmittel bieten vor allem bei einigen chronischen Krankheiten interessante therapeutische Moglichkeiten. Die meisten wissenschaftlich erhobenen Daten liegen derzeit fur Erkrankungen vor, bei denen offensichtlich chronische Entzundungsvorgange eine wesentliche Rolle spielen, insbesondere fur Arteriosklerose und Claudicatio intermittens. Padma 28, eine Kombination aus 22 Bestandteilen, lasst sich bei der Claudicatio intermittens nach Kriterien der evidenzbasierten Medizin des Westens auf einem hohen Level einordnen. Die in diesem Supplement prasentierten Beitrage basieren auf einem wissenschaftlichen Kongress, der im November 2005 an der Universitat Zurich stattfand. Die Tagung richtete sich vor allem an Arzte, Apotheker sowie Forschende im weiten Bereich der Komplementarmedizin. Die Beitrage stammen aus verschiedenen Disziplinen. Es werden Aspekte des medizinkulturellen Kontexts, der Therapiegeschichte, der Rohstoffbeschaffung, der Herstellung, der Qualitatssicherung, der experimentellen und klinischen Forschung [1] wie auch praktische Erfahrungen und Fallberichte prasentiert. Neben experimentellen und klinischen Forschungsergebnissen sind ein Schwerpunkt die therapierelevanten Besonderheiten tibetischer Vielstoffgemische: die einzelnen pflanzlichen oder mineralischen Bestandteile liegen in den Arzneiund Heilmitteln in sehr kleinen Mengen vor. Wurde man solche geringen Mengen einzeln verwenden, so liesse sich keine Wirksamkeit erzielen. Erst die Kombination, also der vielstoffliche Synergismus, wird zum Trager von Wirksamkeit. Solche Therapien lassen sich als «multi-target drugs multi-target combinatorial therapies» charakterisieren (z.B. im Gegensatz zu single-target drugs). Haufig besitzen «multi-target drugs» nur eine relativ geringe Bindungsaffinitat. Das Prinzip der synergistischen Vielstoffgemische und die niedrige Bindungsaffinitat konnten die Seltenheit und das eingeschrankte Spektrum unerwunschter Wirkungen der Vielstoffgemische erklaren. Die komplexen Wirkungsmechanismen lassen sich mit Netzwerkmodellen erklaren. Solche Modelle lassen darauf schliessen, dass partielle Hemmung und/oder partielle Aktivierung wirksamer und sinnvoller sein konnen als eine vollstandige Hemmung

The content you want is available to Zendy users.

Already have an account? Click here to sign in.
Having issues? You can contact us here
Accelerating Research

Address

John Eccles House
Robert Robinson Avenue,
Oxford Science Park, Oxford
OX4 4GP, United Kingdom