Leitlinien zur Fastentherapie
Author(s) -
Françoise Wilhelmi de Toledo,
Andreas Buchinger,
Hilmar Burggrabe,
M. Gaisbauer,
Gunter Hölz,
W. Kronsteiner,
C. Kühn,
Eva Lischka,
Norbert Lischka,
Hellmut Lützner,
Wolfgang May,
Dieter Melchart,
Andreas Michalsen,
H. Müller,
Elisabeth Peper,
K.-L. Resch,
Martha Ritzmann-Widderich,
Anna Wessel,
H. Wichert,
Rainer Stange
Publication year - 2002
Publication title -
complementary medicine research
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.238
H-Index - 38
eISSN - 2504-2106
pISSN - 2504-2092
DOI - 10.1159/000064270
Subject(s) - medicine , traditional medicine
Jahreszeitlich bedingte Schwankungen im Nahrungsangebot prägten in der Evolution den Stoffwechsel aller Lebewesen. Die Fähigkeit, sich diesen Schwankungen durch Depotbildung und deren Mobilisierung anzupassen, ist von jeher Bedingung für das Überleben, insbesondere für das menschliche Überleben. Fasten ist die Fähigkeit, für eine begrenzte Zeit den Bedarf an Makround Mikronährstoffen bei ausbleibender oder minimaler Nahrungsaufnahme über den Verdauungstrakt ohne gesundheitliche Nachteile aus körpereigenen Reserven zu decken. Hinzu kommen eine relative Bedarfsminderung sowie verschiedene Sparmechanismen (z. B. Umstellung des ZNS auf Fettverbrennung, Rückgang der Verdauungsund Assimilationsvorgänge, die dieser äusseren Verknappung entgegensteuern: einerseits um den Zellstoffwechsel jederzeit ausreichend mit Energie zu versorgen, andererseits um die Zellerneuerung aufrecht zu erhalten. Aus dieser biologischen Fähigkeit entwickelten sich Fastenkulturen mit religiös-spiritueller oder medizinisch-therapeutischer Zielsetzung. Die Integration des Fastens in die Medizin gelang bei uns über die Klassische Naturheilkunde, deren unverzichtbaren Bestandteil es heute darstellt. Als Fastenmethoden haben sich vor allem das Heilfasten nach Dr. med. Otto Buchinger (Buchinger, 1935) und die Therapie nach Dr. med. F.X. Mayr (Mayr, 1921) durchgesetzt. Otto Buchinger entwickelte aus rudimentären Ansätzen ein multidisziplinäres Konzept für eine stationäre Fastentherapie, in der Physio-, Bewegungsund Ernährungstherapie mit einem gesundheitspädagogischen Programm verbunden sind (Fahrner, 1991). Die Integration der Psychotherapie erfolgte später. Auch Aspekte der religiösen Fastentradition sind heute Bestandteil des therapeutischen Fastens: zu der physischen traten die psycho-soziale und die spirituelle Dimension hinzu. Diese Leitlinien wurden von einem Expertengremium erstellt und werden von ihm gemeinsam getragen. Ihr Ziel ist die Beschreibung des Therapieverfahrens und die Feststellung von Standards zu Zwecken der ärztlichen Fortund Weiterbildung, der Orientierung bei qualitätssichernden Massnahmen in Klinik und Praxis sowie der weiteren wissenschaftlichen Erforschung der klinischen Effekte der Methode. Auch sollen sie einen Beitrag zur methodisch korrekten Durchführung des Fastens in den zahlreichen Einrichtungen leisten, die das Fasten zu präventiv-medizinisch und/oder religiös-spirituell motivierten Zielsetzungen anbieten. Für das ärztlich betreute Fasten dienten bislang seit 1978 Angebote im Rahmen der Weiterbildung zur Erlangung der Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren der Sicherung eines Wissensstandards. Hierbei ist auch die Fastenselbsterfahrung ein erwünschter Bestandteil. Seit 1996 können ÄrztInnen im Rahmen eines Curriculums zum Erwerb des Weiterbildungszertifikates «Fastenärztin/Fastenarzt» der Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e. V. eine ausgewiesene Qualifikation erwerben. Im nicht-ärztlich betreuten Fasten werden seit 1986 von mehreren Einrichtungen FastenleiterInnen ausgebildet. Diese Ausbildung dient auch der Kooperation mit FastenärztInnen.
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