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Die Naturheilkunde in Forschung und Lehre: Neue Perspektiven?
Author(s) -
G. Dobos,
A. Michalsen
Publication year - 2002
Publication title -
complementary medicine research
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.238
H-Index - 38
eISSN - 2504-2106
pISSN - 2504-2092
DOI - 10.1159/000064262
Subject(s) - medicine
Nach einem längeren Anlauf wurde vom Bundesratsplenum am 26. April 2002 mit grosser Mehrheit die Reform (9.Novelle) der Approbationsordnung für Ärzte verabschiedet. Das Medizinstudium kann damit zum Wintersemester 2003/2004 nach der neuen Ausbildungsordnung begonnen werden. Die neue Approbationsordnung soll eine der umfangreichsten Reformen des Medizinstudiums seit 1970 bewirken, Hauptziel ist die Realisierung eines stärkeren Praxisbezuges im Studium sowie die deutlichere interdisziplinäre Gestaltung des vermittelten Behandlungsprozesses auf der Grundlage einer ganzheitlichen Sicht der Patientensituation. In diesem Zusammenhang sollen Prävention, Gesundheitsförderung und Allgemeinmedizin besser in den Unterricht einbezogen werden. Für den Bereich der Naturheilkunde wesentlich erscheint die Empfehlung zur Modifikation des §27. Der Ausschuss empfiehlt Naturheilverfahren, Physikalische Medizin und Rehabilitation stärker in der Ausbildung mit zu berücksichtigen. «Begründung: unabhängig von der fachlichen Bewertung werden Naturheilverfahren von den Patienten in hohem Masse nachgefragt. Daher ist es erforderlich, dass der Arzt – unabhängig von seiner späteren fachlichen Ausrichtung – Grundkenntnisse in Naturheilverfahren besitzt und diese Verfahren beurteilen kann. Grundkenntnisse in den Naturheilverfahren sollen daher zu den Zulassungsvoraussetzungen zum zweiten Abschnitt der ärztlichen Prüfung gehören.» Insgesamt soll aber auch die Qualität der Lehre in Deutschland verbessert werden. Der Gesundheitsausschuss im Bundesrat geht hierbei davon aus, dass der Lehre an deutschen medizinischen Fakultäten insgesamt zu wenig Beachtung geschenkt wird. In Zukunft sollen nun Lehrveranstaltungen regelmässig auf ihren Erfolg hin evaluiert und die Ergebnisse öffentlich gemacht werden. Erfreulicherweise ist damit die universitäre Ausbildung im Bereich Naturheilverfahren und der Leistungsnachweis gesetzlich fest verankert. Die Empfehlungen des Bundesausschusses greifen letztlich eine seit langem in Deutschland erkennbare Entwicklung auf. So wurde bei der Vorstellung der demoskopischen Studie «Naturheilmittel 2002» erneut aufgezeigt, dass ein steigender Bevölkerungsanteil im Krankheitsfalle auch auf natürliche Heilmittel vertraut. Bei der Vorstellung der Studie am 16.04.2002 forderte die Direktorin der Allensbach Institute, Frau Prof. Noelle Naumann, die Einrichtung von insgesamt 10 Lehrstühlen im Bereich Naturheilkunde, um die zukünftigen Ärzte angemessen informieren zu können. Dies ist wohl zum aktuellen Zeitpunkt schon allein aufgrund mangelnder personeller Ressourcen nicht adäquat realisierbar. Eine beeindruckend rascher Entwicklungsprozess konnte in diesem Zusammenhang in den vergangenen Jahren in den USA beobachtet werden. Zeitnah mit der Postulierung eines zukünftig mehr patientengesteuerten medizinischen Versorgungssystems durch die Harvard-Ökonomin Regina Herzlinger («Consumer-driven health care») wurden die Erhebungen von David Eisenberg zur Verbreitung naturheilkundlicher und komplementärer Verfahren in der amerikanischen Bevölkerung im New England Journal of Medicine und im JAMA publiziert. Und während noch 1993 im New England Journal of Medicine «CAM» (Complementary and Alternative Medicine) als «Methods not taught at medical schools» definiert wurde, war bereits 1999 in 75% aller amerikanischen medizinischen Fakultäten CAM in der medizinischen Ausbildung zumindest partiell implementiert. Es bleibt abzuwarten, ob die Patientennachfrage in Deutschland eine ähnliche universitäre Dynamik bewirken kann. Auch unter den deutschen Medizinstudenten findet sich inzwischen ein wachsendes Interesse an wissenschaftlich fundierten Informationen über Naturheilkunde und Ihre Verfahren. Einen vielversprechenden Eindruck von dieser Entwicklung geben die ersten Erfahrungen der naturheilkundlichen Vorlesung an der Universität Essen.

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