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Nachruf Prof. Dr. med. Gunther Hildebrand
Author(s) -
Christoph Gutenbrunner,
Martina Bühring
Publication year - 1999
Publication title -
complementary medicine research
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.238
H-Index - 38
eISSN - 2504-2106
pISSN - 2504-2092
DOI - 10.1159/000021247
Subject(s) - icon , citation , information retrieval , computer science , download , citation database , subject (documents) , library science , world wide web , medline , law , political science , scopus , programming language
Am 6. MaÈrz 1999 ist Professor Dr. med. Gunther Hildebrandt im Alter von 75 Jahren ploÈ tzlich und aus voller AktivitaÈt verstorben. Sein Tod ist fuÈ r alle, die ihn kannten und mit ihm zusammenarbeiten durften, ein grosser menschlicher Verlust, fuÈ r die wissenschaftliche Arbeit und die akademische Vertretung in den Bereichen Balneologie, Physikalische Medizin, Naturheilkunde sowie Rehabilitationsforschung besteht ein schmerzlicher Einschnitt. Gunther Hildebrandt wurde am 12. Januar 1924 in Freiburg i.Br. als Sohn einer Arztfamilie geboren. Nach seiner Schulzeit in Bad Doberan (Mecklenburg), die er 1940 mit einem sogenannten Notabitur abschloss, studierte er von 1942±1947 Humanmedizin an den UniversitaÈten in TuÈ bingen, Strassburg, Hamburg und Marburg/Lahn. Nach dem Abschluss seines Studiums und seiner Promotion begann er zunaÈchst eine klinische Ausbildung in den FaÈchern Innere Medizin und Psychiatrie in LuÈ beck. Von 1951±1959 arbeitete er unter H.E. Bock als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Balneologischen Forschungsstelle Bad Orb, deren Leitung er 1959 uÈ bernahm. Bock war Direktor der Marburger Internistischen UniversitaÈtsklinik, er garantierte einen guten Bezug der ersten Hildebrandtschen balneologischen Arbeiten zu klinisch relevanten Fragestellungen. Ab 1955 war Hildebrandt gleichzeitig Gastassistent am Physiologischen Institut der UniversitaÈt Marburg unter H. Hensel, ab 1959 hatte er hier die Position eines Abteilungsleiters inne. 1959 habilitierte er sich fuÈ r das Fach «Humanphysiologie und Balneologie», 1964 wurde er Direktor des in Marburg neu gegruÈ ndeten Instituts fuÈ r Arbeitsphysiologie und Rehabilitationsforschung, seit 1967 als ordentlicher Professor. Neben seiner Marburger ArbeitsstaÈtte hat er dann spaÈter auch die Aussenstelle im OrthopaÈdischen Rehabilitationszentrum Hessisch Lichtenau, das L.R.-Grote-Institut fuÈ r Physiotherapie in Bad Berleburg und das Institut fuÈ r Kurmedizinische Forschung/Institut fuÈ r Rehabilitationsmedizin und Balneologie in Bad Wildungen gegruÈ ndet und geleitet. Wir wollen uns an dieser Stelle besonders mit den Leistungen und dem grossen Verdienst Hildebrandts fuÈ r die Naturheilkunde beschaÈftigen, er war Mitglied der 1996 gegruÈ ndeten EuropaÈischen Gesellschaft fuÈ r Klassische Naturheilkunde, bei der konstituierenden Sitzung hat er wichtige Gedanken und VorschlaÈge eingebracht. Hildebrandt war einer der kluÈ gsten und umfassendst gebildeten Wissenschaftler, die sich fuÈ r dieses Thema interessierten. Er hat dem Fach sehr viele neue Impulse und wissenschaftliche Grundlagen zugefuÈ hrt, gleichzeitig war er ein vehementer Kritiker leichtfertiger Spekulationen und fragwuÈ rdiger therapeutischer Methoden. Der von ihm gewaÈhlte Name «L.R.-Grothe-Institut» in Bad Berleburg war ihm Programm. Er sollte an den Dresdener Dialog zwischen Naturheilkunde und der sogenannten Schulmedizin erinnern, wobei Hildebrandt selbst mehr die Position der letzteren eingenommen hat. Das zentrale Thema Hildebrandts war die Behandlung mit den typischen Ressourcen des Kurortes, in erste Linie mit den jeweils vorhandenen Heilquellen und mit Faktoren des Klimas. Per definitionem sind diese Naturheilmittel, als solche hat er sie geachtet. «Natur» waren ihm aber nicht nur die Heilmittel, sondern auch die Art ihrer Wirksamkeit: Hildebrandt betrachtete sie als natuÈ rliche Reize, auf welche der Organismus in vielfaÈ ltiger Weise reagiert. Diese Reaktion war ihm wichtig, der heute allgemein gebrauchte Begriff einer Reizund Reaktionstherapie ist durch Hildebrandtsche Arbeiten stark beeinflusst. Der gezielt ausgewaÈhlte und richtig dosierte Reiz fuÈ hrt zunaÈchst zu den sogenannten Akuteffekten einer einzelnen therapeutischen Massnahme, erst im Verlauf mehrerer Wochen zeigt sich der eigentlich angestrebte Erfolg, Hildebrandt bezeichnete ihn als einen Langzeiteffekt. Er griff aÈ ltere Formulierungen von einer Selbstheilungskraft noch einmal auf, im Verlauf unzaÈhlbar vieler Kurbehandlungen hatte er viele tausendmal Gelegenheit, die Wirkungen dieser «Kraft» unter den verschiedensten Bedingungen, bei den verschiedensten Patienten und bei sehr unterschiedlichen Erkrankungen zu beobachten. Als Physiologe brachte er gleichzeitig die noÈ tigen Kenntnisse mit, solche FaÈhigkeiten des Organismus richtig zu werten und einzuordnen: Er entwickelte die Therapeutische Physiologie, diese machte er zu einer eigenen Wissenschaftsdisziplin. Kurz zu den wichtigsten Themen: Als erstes interessiert der verwendete Reiz, er ist durch seine QualitaÈ t charakterisiert, ferner durch seine IntensitaÈ t, Dauer und Behandlungsfrequenz. Er wird wahrgenommen, zentral verarbeitet und in der Regel beantwortet; fuÈ r jede der ReizmodalitaÈ ten hat Hildebrandt eine Systematik erarbeitet. Die Empfindlichkeit fuÈ r einen Reiz ist interindividuell sehr unterschiedlich, sie schwankt in charakteristischer Weise (z.B. im Tagesverlauf) und sie aÈndert sich im Verlauf einer seriellen Therapie. Wieder hat Hildebrandt Wesentliches erarbeitet und Beispiele aufgezeigt. Die Reaktion ist z. T. sehr spezifisch, haÈufig kommt es sekundaÈr zu unspezifischen Mitreaktionen, der PrimaÈreffekt braucht den langfristigen Wirkungen einer seriellen Therapie nicht zu entsprechen. Bei letzteren kommt es haÈufig zu einer sogenannten Normalisierung: Messwerte und Befunde, die in verschiedene Richtungen von einer Norm abgewichen waren, naÈhern sich wieder einem gemeinsamen Mittel. Hildebrandt erinnert an den «Inwendig Arzt» des Paracelsus, aus der Werkstatt dieses «Arztes» beschreibt er die VorgaÈnge einer Habituation und verschiedener Formen einer Adaptation. Dabei erfolgt eine Heilung oder Besserung pathologischer Befunde nicht in einem kontinuierlichen Prozess, haÈufig kommt es zu

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