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Die S5-Stadt - Realität oder Metapher?
Author(s) -
Thomas Sieverts,
Schneider, Martin
Publication year - 2010
Publication title -
repository for publications and research data (eth zurich)
Language(s) - German
Resource type - Book series
DOI - 10.3929/ethz-a-006164402
Subject(s) - humanities , art
Einleitung Das Forschungsund Transferprojekt «S5-Stadt. Agglomeration im Zentrum» hat zahlreiche Aspekte der Agglomeration entlang des einen Astes der S-Bahn-Linie S5 von Zürich Stadelhofen über Uster, Wetzikon, Bubikon, Rüti, Rapperswil-Jona bis nach Pfäffikon SZ untersucht. Ziel der Forschung war eine wissenschaftlich-analytische Beschreibung dieses Lebensraums. Eine gewisse Spannung zwischen wissenschaftlicher Beschreibung und normativer Zukunftsvorstellungen war jedoch bereits in der Ausgangslage des Gesamtprojekts mit angelegt. So ist der Begriff «Stadt» in diesem Spannungsfeld von dreifacher Bedeutung: Stadt wird in diesem Zusammenhang erstens als Bild oder Metapher verwendet, welche zwar noch in der unübersichtlichen Komplexität von Agglomeration verborgen scheint, aber sichtbar gemacht werden kann. Zweitens als Arbeitsbegriff einer wissenschaftlichanalytischen Beschreibung, mit den Anregungen und Empfehlungen für zukünftiges Handeln und drittens als Umriss einer möglichen Zukunft. Mit diesem ersten Kapitel möchten wir die Forschungsergebnisse als Interpretation der Realität ganz explizit in den Dienst von Zukunftsvorstellungen stellen, die bei der Konzeption des Gesamtprojekts Pate gestanden haben: Der ursprüngliche Arbeitstitel des Forschungsund Transferprojekts «Stand der Dinge – Leben in der S5-Stadt» enthält die implizite Vermutung, dass die Agglomeration, die sich entlang der Schnellbahnlinie S5 entwickelt hat, auf dem Wege zur «Stadt» sei – allerdings einer Stadt mit neuem Gesicht. Diese Hypothese erscheint aus der Perspektive von Planung und Architektur einleuchtend begründet: Im Lauf der letzten Jahrzehnte sind die Kleinstädte und Dörfer dieser Region stark gewachsen und haben sich über die Verkürzung der Reisezeiten einander angenähert. Besonders in den letzten 20 Jahren seit der Inbetriebnahme der S-Bahn-Linie S5 im Jahre 1990 sind sie primär raumzeitlich, an einzelnen Stellen aber auch bereits baulich, zusammengewachsen. Die Figur eines stadtförmigen Gebildes mit einer deutlich erkennbaren Struktur «springt einem förmlich entgegen», wenn man die Betrachtung des Siedlungskörpers aus dem gewohnten Zusammenhang rückt und als Metapher liest, wie es uns die Situationisten in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts bereits gezeigt haben. Eine Metapher kann wie eine gute Karikatur bestimmte Wesenszüge hervorheben und beleuchten.

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