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Papierkorb und Grammophon: Zur politischen Lyrik Eerich Frieds und Wolf Biermanns
Author(s) -
Pape Walter
Publication year - 2000
Publication title -
german life and letters
Language(s) - German
Resource type - Journals
SCImago Journal Rank - 0.1
H-Index - 12
eISSN - 1468-0483
pISSN - 0016-8777
DOI - 10.1111/1468-0483.00171
Subject(s) - art , philosophy , humanities
Politische Lyrik zeichnet sich durch ihre vergleichsweise unmittelbaren Wirkungs‐absichten aus, doch unterliegt ihre roduktion wie Rezeption in der Regel denselben Medialitätsbedingungen wie alle Literatur nach der seit Herder beklagten erlorenen Mündlichkeit. Der Beitrag untersucht zwei Vertreter zeit‐genössischer politischer Lyrik auf ihren Umgang mit ihrer eigenen Medialität bzw. auf ihren spezifischen Zugriff auf ‘Realität’. Wie ein Vergleich mit Hoffmann von Fallersleben einerseits, Friedrich Rückert andererseits typologisch zuzuspitzen erlaubt, wird die politische Lyrik Wolf Biermanns von der stimmlichen Präsenz des Sängers und des besungenen ‘Ereignisses’ getragen, während Erich Fried Reflexionen zu Papier bringt, die er aus seiner Zeitungslektüre entwickelt. So eindeutig, wie dieser Gegensatz scheint, kann er aus medientheoretischer Perspektive jedoch gar nicht sein: Die authentisch‐subjektive Emotionalität, die Biermann mit großem Erfolg beim Publikum beansprucht, ist artifiziell modelliert, wobei ihre scheinbar unmittelbare Wirkung auch dann nicht gestõrt wird, wenn das Fernsehen oder die Schallplatte sie transportieren. Fried dagegen verzichtet auf (die Illusion von) Unmittelbarkeit – abgesehen davon, daß er trotz der vorausge‐setzten Medialität seines Schreibens am Konzept des ‘richtigen’, eine Wahrheit enthüllenden Wortes festhält. Sein ernsthaftes Spiel mit der Sprache zielt auf Aufhebung: der bloßen politischen Emotion wie der Medien, auf die auch der Dichter angewiesen ist.
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